Die Chancen für eine Behandlung der gefürchteten Alzheimer-Erkrankung sind wieder gestiegen. Ein Präparat mit einem völlig neuen Ansatz, entwickelt von einem Team um Professor Dieter Willbold, Direktor des Jülicher Instituts für Strukturbiochemie (ICS-6) und Leiter des Instituts für Physikalische Biologie der Universität Düsseldorf, hat in einem Vier-Wochen-Test an gesunden Patienten keinerlei Nebenwirkungen gezeigt. Die Studie fand unter neutraler Führung in Wien statt. Damit ist der Weg frei für klinische Tests an Patienten mit Alzheimer, also die klinische Studie II.


Brain Scan
Foto: MRT Scans, Gerwin Sturm, Flickr, CC BY-SA 2.0

Mäuse bekamen ihr Gedächtnis zurück

„Wir konnten zeigen, dass es bei Mäusen mit alzheimerähnlichen Symptomen zu einer kognitiven Leistungsverbesserung kam“, sagt Janine Kutzsche vom Willibold-Team. Die Gedächtnisleistung der behandelten Mäuse unterschied sich nicht mehr von der gesunder.

Bisherige Präparate sollten die Bildung von so genannten Abeta-Monomeren verhindern. Das gelang in keinem Fall. Das Abeta-Monomer, das mit vollem Namen Amyloid-beta-Monomer heißt, ist ein natürlich im Körper vorkommendes Eiweiß, das während des gesamten Lebens aus dem Protein APP entsteht. Es ist harmlos, außer es bildet Klumpen, so genannte Abeta-Oligomer. Das passiert, wenn sich mehrere Monomere zufällig treffen. Das passiert mit zunehmendem Alter immer häufiger. Die Oligomere behindern die Funktion der Nervenzellen im Gehirn. Zudem haben sie die Fähigkeit sich zu vermehren. Das führt zu zunehmender Demenz.


Das neue Präparat verspricht wirkliche Heilung

„Wir hatten uns einen anderen Ansatz für unseren Wirkstoffkandidaten überlegt, denn das Prinzip, dass es nicht um die Bildung von Abeta selbst geht, sondern um dessen Aggregation zu Oligomeren, ist schon einige Jahre bekannt“, so Antje Willuweit vom Institut für Neurowissenschaften und Medizin, die zum Entwicklerteam gehört. Ziel war es, nicht die Bildung von Abeta-Monomeren zu verhindern, sondern die Oligomere zu zerstören, die Krankheit also wirklich zu heilen.

Wirkstoff wird in Tablettenform verabreicht

PRI-002, wie der hoffnungsfrohe Wirkstoff heißt, ist noch aus einem anderen Grund etwas Besonderes. Er gehört zu den so genannten D-Peptiden. Diese bestehen aus den genauen Spiegelbildern der normalerweise im Organismus vorkommenden L-Aminosäuren in Proteinen und werden deshalb im Körper nicht oder sehr langsam abgebaut. Aus diesem Grund kann er in Tablettenform geschluckt werden. „Das ist insbesondere bei älteren Menschen sehr vorteilhaft „, sagt Professor Oliver Peters, Altersmediziner an der Charité in Berlin.

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