Eine Umfrage hat ergeben, dass rund neunzig Prozent der Deutschen sich vor dem Gang in das Altersheim fürchten. Teilweise nicht zu Unrecht: Immer wieder wurden in der Vergangenheit Skandale aufgedeckt, bei denen die Patienten dort nicht menschenwürdig behandelt wurden. Richtig ist aber auch: In vielen Altersheimen wird sehr gute und liebenswürdige Arbeit geleistet. Dennoch kann es nicht schaden, sich auch über Alternativen Gedanken zu machen.


So fordert der Hamburger Psychiater Klaus Dörner die Abschaffung aller Altersheime. Er beruft sich dabei auf die Zielsetzung der deutsche Pflegeversicherung. Diese lautet: „Die Leistungen sollen den Pflegebedürftigen helfen, ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen“. Dörners Argument: In den meisten Altersheimen ist dies nicht möglich.

Rollator-Training Senioren
Kim Scarborough CC BY-SA 2.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Mehr Geld für die ambulante Pflege wird benötigt

Stattdessen fordert er, die Gelder innerhalb des Gesundheitssystems umzuverteilen. Statt in den Bau von immer neuen Heimen zu investieren, sollte vor allem die ambulante Pflege gestärkt werden. Diese ist aktuell stark unterfinanziert, weshalb die Pflegekräfte oft nur wenig Zeit für jeden Patienten haben. Dies muss aber nicht so sein: Mit mehr Geld wäre es problemlos möglich, die ambulante Pflege so auszubauen, dass die meisten alten Menschen deutlich länger in ihrer Wohnung oder bei ihrer Familie bleiben können. Dass dies geht, zeigt ein Blick nach Skandinavien: Dort wurde die Umschichtung bereits vorgenommen und deutlich mehr Geld in die ambulante Pflege investiert.

Durch technische Hilfsmittel kann die Pflege erleichtert werden

Helfen kann zudem der technologische Fortschritt. So gibt es inzwischen eine ganze Reihe von technischen Überwachungssystemen, die beispielsweise bei Demenzkranken Angehörigen dafür sorgen können, dass diese nicht einfach unbeobachtet das Haus verlassen. Auch viele andere Aspekte – etwa die wichtigsten Gesundheitsdaten – können heute recht einfach erfasst und ausgewertet werden. So ist auch zuhause eine individuelle Pflege möglich, die sich an den Bedürfnissen des Patienten ausrichtet. Der Beruf des Alten- und Krankenpflegers würde dadurch nicht verloren gehen. Es ändert sich lediglich der Einsatzort: Statt im anonymen Altenheim werden die alten Menschen im privaten Umfeld gepflegt.


Via: Die Welt

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