Indiens Ministerpräsident Narendra Modi gilt eigentlich als wirtschaftsfreundlicher Reformer. Gleichzeitig treibt er seit einigen Jahren aber auch massiv den Umwelt- und Klimaschutz voran. Ein generelles Verbot von Einwegartikeln aus Plastik sollte beispielsweise helfen, das Müllproblem des Landes in den Griff zu kriegen. So befindet sich in Neu Delhi der weltweit größte Müllberg überhaupt. Bisher weiß niemand so genau, wie dieser jemals wieder abgetragen werden soll. Zukünftig zumindest weniger Abfall zu produzieren, schien da eine durchaus sinnvolle Maßnahme zu sein. Doch gestern verkündete die Regierung nun das vorläufige Aus für das geplante Verbot von Einweg-Plastik. Die Begründung: Eine solche Anordnung würde die Wirtschaft des Landes zu stark schwächen und könnte die Zahl der Arbeitslosen erhöhen.


Plastiktüten sind aktuell die günstigste Alternative

Ersetzt wurde das Verbot daher nun durch eine neue Aufklärungskampagne, die für mehr Umweltbewusstsein werben soll. Kritiker bezweifeln allerdings, dass diese besonders effektiv sein wird. Denn auch wenn Indien in den letzten drei Jahrzehnten eine rasante wirtschaftliche Entwicklung durchlaufen hat, gibt es innerhalb des Landes noch immer ein starkes Wohlstandsgefälle. Viele Einwohner werden daher wohl auch weiterhin auf die vergleichsweise billigen Plastikprodukte zurückgreifen. Ändern dürfte sich dies erst, wenn günstige Alternativen auf den Markt kommen oder ein Verbot konsequent durchgesetzt wird. Beobachter bezweifelten zuletzt allerdings, dass dies überhaupt möglich gewesen wäre. Denn auch unmittelbar vor dem geplanten Verkaufsstopp waren beispielsweise bei den vielen Straßenhändlern ausschließlich Plastiktüten zu haben.


Die Bemühungen in Sachen Klimaschutz werden weiter vorangetrieben

Gleichzeitig treibt die Regierung Modi aber den Ausbau der nachhaltigen Energieversorgung konsequent voran. So soll die Kapazität der Erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2022 auf 175 Gigawatt erhöht werden. Langfristiges Ziel ist sogar ein Wert von 450 Gigawatt. Das Thema Klimaschutz ist dabei vor allem den jungen Indern sehr wichtig. In zahlreichen Städten des Landes finden daher auch regelmäßig Fridays-For-Future-Demonstrationen statt. Der skeptische Teil der Bevölkerung soll zudem mit einem Rückgriff auf die Historie des Landes überzeugt werden: Das Logo der Kampagne „Swachh Bharat – Clean India“ symbolisiert die Brille von Mahatma Gandhi. Die Tatsache, dass das Verbot von Einweg-Plastik nun verschoben werden musste, zeigt aber, dass sich auch dadurch nicht alle Inder begeistern lassen.

Via: CNN

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

1 Kommentar

  1. Robin

    4. Oktober 2019 at 14:02

    Tjo, da wäre es echt wichtig, wenn Deutschland zeigt, dass wirtschaftliche Einbußen für Klimaschutz gerechtfertigt sind. Noch besser, wenn es durch starken Klimaschutz eher zu Aufschwung als zu Abschwung kommt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.