Letztes Jahr sorgte die selbsterklärte Weltraumnation „Asgardia“ für einiges an Aufsehen. Der Plan der dahinterstehenden Organisation ist ambitioniert: Basierend auf ein Satellitensystem soll eine komplette Nation im Weltraum aufgebaut werden, inklusive einer kompletten Regierung sowie einer Anerkennung durch die Vereinten Nationen. Asgardia zeigte dann, dass das durchaus ernst gemeint ist, indem ein erster Mini-Satellit ins All geschossen wurde. Dieser wurde als Grundstein der neuen Nation erklärt. Doch nun treten erste Probleme auf.


Bild: Asgardia

Eine Nation im All

Die Pläne hinter Asgardia klingen fast schon utopisch: Die Weltraumnation soll die friedliche Nutzung des Weltraums gewährleisten, die Erde vor Gefahren aus dem All schützen und eine demilitarisierte Bastion der Menschheit im All bilden. Das klingt fast wie eine Star-Trek-Storyline. Seitdem die Pläne offiziell bekanntgegeben wurden, versucht der Gründer von Asgardia, Dr. Igor Ashurbeyli, diese mit seinen Mitstreitern umzusetzen. Doch ganz so einfach – wer hätte das gedacht – ist das nicht.

Erste Probleme zeigten sich schon bei der Festlegung auf eine Verfassung. 180.000 über das Internet registrierte „Bürger“ von Asgardia konnten über diese im Internet abstimmen. Das Problem: Der Abstimmungsprozess sah keine wirkliche Möglichkeit vor, die vorgeschlagene Verfassung abzulehnen. Außerdem monierten Kritiker, dass der Verfassungstext Ahurbeyli zu viel Macht verlieh. Unter anderem sieht die Verfassung vor, dass Ashurbeyli das Parlament von Asgardia aufzulösen. Außerdem erhielt er Kontrolle über das sogenannte „Supreme Space Council“.


Die weitreichende Macht des Asgardia-Gründers stürzte die in Wien basierte neue Pseudo-Nation ins Chaos. Die Bürger fühlten sich vom demokratischen Prozess hinter der Regierungsbildung entkoppelt, obwohl 72,5 Prozent von ihnen für die vorgeschlagene Verfassung stimmten. „We brought with us all the old reflexes of Earth’s politics„, fasst der Asgardia-Bürger Nissem Abdeljelil die Probleme zusammen. Die zukünftige Weltraumnation wird derzeit noch über eine Webseite organisiert – und viele Asgardia-Bürger sind bereits jetzt frustriert und zweifeln an der Legitimität der Bemühungen.

Ambitioniertes Projekt mit zweifelhaften Erfolgsaussichten

Das Team hinter Asgardia hat zumindest bereits gezeigt, dass die Pläne, so utopisch sie auch klingen mögen, ernst gemeint sind. Im November 2017 brachten sie einen ersten Satelliten ins All. Dieser ist etwa so groß wie ein Schuhkarton und enthält etwa einen Terabyte Informationen über Asgardia, darunter auch digitale Kopien der Flagge und der Verfassung.

Unterm Strich darf bezweifelt werden, dass das Projekt Asgardia so umgesetzt werden kann, wie sein Gründer es sich vorstellt. Zu hoch scheinen die Hindernisse – von den immensen Kosten, die damit einhergehen würden, Tausende große Satelliten ins All zu bringen, haben wir ja noch gar nicht geredet. Hinzu kommen die Schwierigkeiten im Gründungsprozess und ein russischer Gründer, der in Sachen Machthunger seinen eigenen, irdischen Präsidenten zum Vorbild zu haben scheint. Sinnlos ist Asgardia dennoch nicht. Das Projekt erweitert die Grenzen des Vorstellbaren und zeigt eine interessante Zukunftsvision.

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.