Das Grundlagenforschung in der Physik sehr teuer sein kann, ist kein Geheimnis. So gibt es in Genf Planungen für einen 100 Kilometer langen Teilchenbeschleuniger. Kostenpunkt: Stolze 24 Milliarden Euro. In ganz so großen Dimensionen wird hierzulande nicht gedacht. Doch auch in Darmstadt wird aktuell an einem 1,1 Kilometer langen Ringbeschleuniger gebaut. Aktuell macht das Projekt aber nicht aufgrund der neuen wissenschaftlichen Möglichkeiten Schlagzeilen. Stattdessen stehen die immer stärker steigenden Kosten im Fokus. So wurde ursprünglich mit einer Summe von 1,4 Milliarden Euro geplant. Doch inzwischen mussten die Projektmanager schon zweimal um zusätzliche Mittel bitten. Glaubt man den aktuellen Planungen wird der Teilchenbeschleuniger rund 850 Millionen Euro mehr kosten als ursprünglich geplant. Die Gesamtkosten lägen somit bei 2,25 Milliarden Euro.


Bild: GSI/FAIR

Der Brand- und Strahlenschutz wurde offensichtlich unterschätzt

Immerhin muss die Bundesregierung davon nur rund siebzig Prozent übernehmen. Die restlichen dreißig Prozent werden von internationalen Partnern finanziert. Insgesamt hat der FAIR genannte Teilchenbeschleuniger Gesellschafter aus acht weiteren Ländern: Finnland, Frankreich, Indien, Polen, Rumänien, Russland, Schweden und Slowenien. Nach der Fertigstellung soll die Anlage schließlich von 3.000 Forschern aus fünfzig Ländern genutzt werden können. Wieso es genau zu den gestiegenen Baukosten gekommen ist, wurde bisher nicht im Detail kommuniziert. Eine Sprecherin des Bundesforschungsministeriums verwies im vergangenen Jahr lediglich auf sehr hohe Anforderungen im Bereich des Brand- und Strahlenschutzes. Der Bundesrechnungshof spricht hingegen von massiven Versäumnissen beim Bau- und Kostenmanagement, die in letzter Konsequenz auch Bauverzögerungen zur Folge haben könnten.

Teilchen werden fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt

Noch gehen die Planer aber davon aus, dass die Anlage im Jahr 2025 den Betrieb aufnehmen kann. Dann sollen dort elektrisch geladene Teilchen fast bis auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden können. Lässt man diese schließlich auf einen Widerstand prallen, entsteht Materie, die sonst nur im All existiert. Daraus wiederum erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über den Aufbau und die Geschichte unseres Universums. Aber auch in anderen Bereichen der physikalischen Grundlagenforschung könnte der Teilchenbeschleuniger wichtige Experimente ermöglichen. In einigen anderen Staaten wird daher ebenfalls bereits an entsprechenden Versuchsanlagen gebaut. Wissenschaftler drängen deshalb auf eine pünktliche Fertigstellung von FAIR, um international nicht ins Hintertreffen zu geraten.


Via: Der Spiegel

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