Das Internet gehört für viele Menschen zum Alltag und wird als eine Art Selbstverständlichkeit gesehen. Doch um uns etwa den Einkauf bei Amazon oder das Lesen von Nachrichten im Netz zu ermöglichen, wird eine umfassende Infrastruktur benötigt. Ohne die weltweit verteilten Datenleitungen und Knotenpunkte kämen wir nicht ins Netz. Und ausgerechnet diese Infrastruktur wird nun von einer Gefahr bedroht, die man in diesem Zusammenhang eigentlich nicht unbedingt auf dem Plan hatte: Der durch den Klimawandel ansteigende Meeresspiegel könnte bereits in 15 Jahren nicht unbeträchtliche Teile der Internet-Infrastruktur zerstören.


Earth Internet
Bild: frankieleon, Flickr, CC BY-SA 2.0

Leitungen an Land nicht wasserdicht

Zu diesem Schluss kam zumindest eine Studie von einem Team rund um Carol Barford von der University of Wisconsin-Madison. Insbesondere in Ballungsräumen ist viel Netz-Infrastruktur konzentriert. Solche Ballungsräume liegen oft in Küstennähe und sind oft auch der Ort, an dem transozeanische Unterseekabel mit der Infrastruktur auf dem Festland verbunden sind. Die an Land vergrabenen Knotenpunkte und Glasfaserkabel sind zwar wasserfest, aber nicht komplett wasserdicht. Einer kompletten Überflutung hätten sie daher oft nicht viel entgegenzusetzen.

Die Forscher haben für die USA die Lage von küstennahen Glasfaserleitungen und Anschlussstellen mit den Prognosen zum Meeresspiegelanstieg verglichen und so mögliche Risiken für die Internet-Infrastruktur durch den Klimawandel analysiert.


Dabei entdeckten sie, dass einige der Hauptknotenpunkte und Leitungen stark gefährdet sind. Bereits 2033 könnten allein in den USA beinahe 6.500 Kilometer Glasfaserleiitungen und 1.110 Internet-Knotenpunkte vom steigenden Meerwasser zerstört werden. „ Alle Landepunkte der transozeanischen Seekabel werden ebenfalls schon in kurzer Zeit unter Wasser liegen. Das hat selbst uns überrascht. Denn die Erwartung war, dass wir noch mindestens 50 Jahre Zeit haben, um uns auf diesen Ernstfall vorzubereiten. Aber diese 50 Jahre haben wir nicht„, so Barford.

Das Internet wäre weltweit betroffen

Besonders stark betroffen seien die großen US-Metropolen New York City, Seattle und Miami. Ihre küstennähe mache diese Ballungsräume zu stark gefährdeten Gebieten, und bereits heute liegen viele Teile der Infrastruktur in diesen Ballungsräumen nur knapp über dem Meeresspiegel. „Als diese Leitungen vor 20 bis 25 Jahren verlegt wurden, hat man sich über den Klimawandel und den Meeresspiegelanstieg noch keine Gedanken gemacht“, so Barford.

Die Gateways der großen US-Ballungsräume sind wichtige Zentren für die komplette globale Netz-Infrastruktur. Außerdem konzentrieren sich die Daten in den genannten Gebieten in wenigen Hauptleitungen. Wenn diese ausfallen, droht das weltweite Netz zusammenztubrechen.

Die Forscher rufen daher dazu auf, unbedingt zeitnah zu handeln: „ Das ist ein Weckruf: Wir müssen dringend darüber nachdenken, wie wir dieses Problem angehen können„, warnt Barford. In einigen Fällen könnten bessere Deiche und andere Hochwasserschutzmaßnahmen bereits dazu beitragen, die Leitungen mittelfristig zu schützen.

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