Chinesische Offizielle sind nicht gerade bekannt dafür, den direkten Kontakt mit Journalisten zu suchen. Wenn sie dennoch zu einer Pressekonferenz einladen, bedeutet dies zumeist, dass sie einen Erfolg zu vermelden haben. Dies war auch in dieser Woche der Fall. Denn Projektmanager Ran Chengqi konnte verkünden, dass Chinas GPS-Alternative Beidou kurz vor der Vollendung steht. So befinden sich aktuell bereits 24 entsprechende Satelliten im All, die auch schon miteinander vernetzt wurden. Zwei weitere Satelliten sollen zeitnah noch folgen – und dann ist das System einsatzfähig. Mithilfe entsprechender Software kann die eigene Position auf der Erde anschließend bis auf den Zentimeter genau bestimmt werden. Bei fahrenden Objekten soll die Genauigkeit immerhin noch im Bereich von Dezimetern liegen.


Flagge China
Foto: Alexander Trisko

Ein eigenes Navigationssystem erhöht die Unabhängigkeit

Damit arbeitet die chinesische Alternative deutlich genauer als die zivile Variante des GPS. Dies alleine dürfte aber nicht der Grund sein, weshalb sich China für den Aufbau eines eigenen Navigationssystems entschied. Vielmehr stecken dahinter auch strategische Überlegungen. Denn GPS wird vom US-Militär betrieben. Die Vereinigten Staaten behalten sich deshalb vor, im Falle von militärischen Auseinandersetzungen und ähnlichen Konflikten die Nutzung zu beschränken. In Zukunft könnte dies noch deutlich größere Auswirkungen haben als heute schon. Denn je mehr Fahrzeuge und Flugobjekte sich zukünftig autonom bewegen werden, desto wichtiger wird auch die Möglichkeit einer genauen Positionsbestimmung. Neben China haben daher auch schon Russland und die Europäische Union mit dem Aufbau von eigenen Satelliten-Netzwerken begonnen.

Das System soll auch internationale vermarktet werden

Im nächsten Jahr sollen die ersten Nutzer schließlich das chinesische Beidou-Navigationssystem nutzen können. Die technologischen Vorbereitungen sind jedenfalls bereits angelaufen. So wurden Verträge mit 120 Partnern unterzeichnet, die Anwendungen auf Basis der neuen Technologie entwickeln werden. Rund 70 Prozent der Smartphones in China sind zudem bereits für Beidou ausgerüstet. Zukünftig dürfte sich der Blick der Betreiber zudem auch über die Landesgrenzen hinweg richten. So wurde bereits angekündigt, dass das System auch in Südostasien, Osteuropa und Afrika vermarktet werden soll. Eine Weiterentwicklung ist ebenfalls bereits in Planung. So soll ab dem Jahr 2035 ein noch smarteres, besser erreichbares und genaueres System mit dem heutigen Beidou als Herzstück installiert werden.


Via: Engadget

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