Für viele Kunden von Online-Shops war die Lastschrift bisher die bequemste Zahlungsart. Denn es mussten lediglich die eigenen Kontodaten eingegeben werden und der Händler kümmerte sich dann um die Abwicklung. Doch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs könnte nun das Ende der beliebten Zahlungsmethode bedeuten. Der Hintergrund: Die Deutsche Bahn verkauft Zugtickets auch an Kunden in Österreich. Diese konnten auf der Webseite aber nicht per Lastschrift bezahlen. Der Grund dafür war die Bonitätsprüfung. Denn die Bahn stellt die Tickets sofort aus, bucht den Betrag aber erst einige Tage später ab. Um sicherzustellen, dass in der Regel das Konto auch gedeckt ist und die Lastschrift nicht platzt, wird routinemäßig die Bonität der Kunden überprüft.


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EU-Verordnungen verbieten die Diskriminierung von EU-Kunden

Dieser Vorgang ist in Österreich aber rund 15 mal so teuer wie hierzulande. Weil die Bahn diese zusätzlichen Kosten nicht auf alle Kunden umlegen wollte, bot sie die Lastschrift nur für Käufer mit deutschem Konto an. Dagegen wiederum klagte der „Verein für Konsumenteninformation“ aus Österreich, weil er eine unzulässige Diskriminierung innerhalb der Europäischen Union vermutete. Tatsächlich gibt es die EU-Verordnungen SEPA-VO und Geoblocking-VO. Vereinfacht ausgedrückt besagen diese, dass Händler in der Europäischen Union an alle EU-Bürger verkaufen müssen und diese auch bei den Zahlungsmethoden nicht diskriminiert werden dürfen. Die Richter am Europäischen Gerichtshof entschieden daher: Das Lastschriftverfahren muss für alle EU-Bürger angeboten werden – oder eben für keinen.

Andere Zahlungsoptionen sind für die Händler günstiger

In der Praxis dürfte dies bedeuten, dass diese Zahlungsmethode über kurz oder lang aus vielen Online-Shops verschwinden wird. Denn in allen 27 EU-Ländern jeweils die Bonität der Kunden zu überprüfen, bringt nicht unerhebliche Kosten mit sich – was wiederum die Marge der Händler belastet. Für die Kunden in Deutschland, die bisher gerne auf die Lastschrift-Option zurückgegriffen haben, ist dies natürlich ärgerlich. Der Lösungsvorschlag der Richter scheint auch wenig praktikabel: Diese schlugen vor, die Händler könnten mit dem Versand der Ware ja warten, bis die Lastschrift erfolgreich eingezogen wurde. Eine Lastschrift kann allerdings acht Wochen lang widerrufen werden. So lange dürfte aber wohl kein Kunde auf seine Ware warten wollen.


Via: Handelsblatt

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