Der internationale Währungsfonds hat für Venezuela in diesem Jahr eine Inflationsrate in Höhe von einer Millionen Prozent vorausgesagt. Dies bedeutet auch: Die bisher genutzte Währung „Bolívar Fuerte“ ist quasi wertlos. Wer damit einen US-Dollar kaufen möchte, muss auf dem Schwarzmarkt rund vier Millionen Bolívares zahlen. Doch aufgrund hoher staatlicher Subventionen ist ein Produkt bisher nicht von der Preissteigerung betroffen: Der Liter Benzin kostet auch weiterhin sechs Bolívares – also den Bruchteil eines Eurocents. Eine Flasche Trinkwasser hingegen war im vergangenen Jahr mit einem Preis von 1.500 Bolívares deutlich teurer. Nun will Venezuelas Präsident Nicolás Maduro die Subventionen drastisch beschneiden. Ab dem 20. August werden die Kraftstoffpreise demnach auf internationales Niveau angehoben.


Foto: Government of Venezuela [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Der Schmuggel lässt sich anders nicht unterbinden

Schon jetzt profitiert von den niedrigen Preisen nicht unbedingt die arme Bevölkerung des Landes. Ein nicht unerheblicher Teil des billigen Benzins wird nämlich schlicht ins Ausland geschmuggelt und beispielsweise in Kolumbien mit hohem Gewinn verkauft. Den Angaben Maduros zufolge gehen dem venzeolanischen Staat dadurch jährlich Einnahmen in Höhe von 18 Milliarden Dollar verloren. Erfahrungen in der Vergangenheit haben aber gezeigt, dass sich Schmuggel bei solch gewaltigen Preisunterschieden nur schwer vermeiden lässt. Deshalb entschied sich der Nachfolger des legendären Hugo Chavez nun für die radikale Variante und wird den Preis für Benzin drastisch anheben. Dadurch könnte der Staat, der über die größten Erdölreserven weltweit verfügt, wieder mehr Öl exportieren und so an dringend benötigte Devisen kommen.

Venezuela wird seit Jahren von heftigen Protesten erschüttert

Der Anstieg des Benzinpreises soll allerdings nicht für alle Einwohner des Landes gelten. So erhalten Empfänger von Sozialhilfen ebenso weiterhin vergünstigen Treibstoff wie öffentliche Verkehrsunternehmen. Diese soziale Flankierung dürfte vor allem dazu gedacht sein, die seit Monaten anhaltenden Proteste im Land nicht weiter anzuheizen. In der Vergangenheit war Maduro brutal gegen die Opposition vorgegangen. Bei Protesten kam es zu zahlreichen Todesfällen und prominente Gegenspieler landeten im Gefängnis. Die Wirtschaftskrise hat er dadurch aber nicht in den Griff bekommen. Dies soll nun zwei neuen Währungen gelingen: Der staatlichen Kryptowährung Petro und dem daran gekoppelten „Bolívar Soberano“. Der Wert der neuen Zahlungsmittel soll wiederum durch die Ölreserven des Landes besichert werden. Experten stehen dem Projekt allerdings skeptisch gegenüber.


Via: BBC

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