Deutschland hat einen schwierigen Weg eingeschlagen. Indem unser Land zugleich auf starke CO2-Reduktion und den konsequenten Ausstieg aus der Kernenergie setzt, haben wir zwei verschiedene Richtungen gewählt, die sich nicht eben optimal ergänzen. Kernkraftwerke könnten unseren perfekten Klimaretter sein, wären da nicht die heftigen Abfall- und Sicherheitsprobleme. Berliner Forscher behaupten nun, das Ei des Kolumbus entdeckt zu haben.


Foto: Michielverbeek [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Es bietet sich an, die Erfindung zu prüfen und zu diskutieren

Konkret ist es ein Physiker-Team des Berliner Instituts für Festkörper-Kernphysik, das sich aktuell mit seinen Thesen ins Gespräch bringt. Die Besetzung ist deutsch und international, ihre Aussagen scheinen glaubwürdig. Keine Endlagerproblematik mehr, keine Angst vor Unfällen und Verstrahlung: Das wäre doch eine grandiose Sache! Es bietet sich an, die Technik zu prüfen und darüber zu diskutieren, ob wir in Deutschland solche Reaktoren bauen möchten.

Unser holpriges Energiegemisch braucht eine Stabilisierung

Der Abschied von der Kerntechnik kam äußerst abrupt und erschien vielen undurchdacht. Die grünen Energien holen im Moment stark auf und schließen wichtige Lücken, doch können wir die Probleme, die auch sie mit sich bringen, nicht verschweigen. Wir sind auf Sonne und Wind angewiesen, wenn wir keinen Blackout erleben wollen, und, ja, auch noch auf Kohle, um die Lücken zu füllen. Das Ganze ist ein holpriges Gemisch, das dringend einer Stabilisierung bedarf. Die runderneuerte alte Technik könnte in die Bresche springen, wenn sie denn tauglich ist und das Vertrauen von Politik und Bevölkerung gewinnt.


Back to the Roots?

Zurück zur Kernenergie also? Wir können die Faktenlage nicht ändern: In zahlreichen anderen Ländern werden gerade viele neue Kernreaktoren nach altem Muster gebaut. Dort wird man die Pläne der Berliner Wissenschaftler vielleicht mit Kusshand annehmen und eine neue Energiewende einläuten. Sollen wir dabei hinten anstehen oder möchten wir uns öffnen für einen unerwarteten Phönix aus der Asche?

Quelle: welt.de

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

2 Kommentare

  1. Sepp

    29. April 2019 at 09:57

    Sinnlose Ankündigung ohne jegluche Information. Dä wacht die Kernenergie wieder im neuen Kleid auf (lter Wein in neuen Schäuchen)

  2. Andro Wegner

    1. Mai 2019 at 19:28

    1. Die Kernenergie ist teuer im Aufbau, billig in der Produktion – sofern sie keine Schäden produziert oder dafür nicht haftet – unflexibel im Betrieb und teuer im Rückbau. Das heißt, sie verbraucht viele Ressourcen, bevor sie überhaupt in Betrieb geht, muss dann über viele Jahre durchfeuern, um die Kosten wieder rein zu bekommen, bzw die Kosten reinzuholen, die für den Rückbau nötig sind. Das ist das Gegenteil von dem, was mit Erneuerbaren erreicht wird.

    Wenn man in einem Land wie Deutschland erneut Kernkraftwerke bauen will, bedeutet das erst einmal zusätzliche Ressourcen, zusätzliche Umweltbelastungen allein durch den Bau – ohne Radioaktivität! – und eine maximale Unflexibilität, die so ziemlich alles platt macht, was sich derzeit bereits an Innovationen entwickelt und teilweise etabliert hat und wo wir Weltmarkt-Führer sein können, wenn wir nicht wieder alles vertrödeln.

    2. Die britischen Kernkraftwerke, die unter Blair beschlossen wurden, sind bis heute nicht fertig, geschweige denn am Netz! Trotz wechselnder Betreiber und engagierter Regierung! Vielleicht sind die ja glücklich, wenn sich ein paar deutsche Professoren melden und ihnen mit ihren Innovationen das Leben erleichtern. Einen tüchtigen deutschen Manager hat sich die britische Atom-Lobby schon gesichert.

    3. Deutschland hat das Maximum seines Energie-Hungers bereits erreicht oder schon überschritten. Seit gut 20 Jahren ist eine wachsende Anzahl Erneuerbarer in den Strommarkt integriert, ohne dass bislang viele Stromspeicher gebaut wurden. Das deutsche System verkraftet bereits jetzt eine weitgehende Umkehr des Lastenmanagements. Ein großer Teil des Stroms wird nicht mehr ins Hochspannungsnetz eingespeist, sondern ins Niederspannungsnetz, das früher ausschließlich für die Verteilung des Stroms auf die Verbraucher da war.

    Immer mehr Verbraucher machen sich ganz oder teilweise unabhängig von externen Strom- und Wärmequellen, darunter auch kleine und mittlere Betriebe. Die Abwärme der Industrie wird für eigene Prozesse oder für die Fernwärme nutzbar gemacht. Es gibt sogar Pläne, Energie-intensive Stahlwerke auf H2 aus Überschussstrom umzustellen.

    4. Deutschland hat derzeit einen großen Kapazität-Überschuss in der Stromerzeugung! 50-60 TWh werden jährlich exportiert. Dass Kernkraftwerke sehr gut, Braunkohle-Kraftwerke relativ gut ausgelastet sind, hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Die Betreiber versuchen, zu produzieren und abzusetzen, was immer machbar ist, um wirtschaftlich arbeiten zu können – egal, ob das für die Stromnetze oder den Verbraucher gut ist oder nicht. Steinkohle-Kraftwerke und Gaskraftwerke, die oft in öffentlicher Hand sind, haben das Nachsehen. Erneuerbare werden des öfteren abgeregelt.

    5. Das einzige Land, bei dem ich mir Kernkraftwerke als geeignete Übergangs-Technologie vorstellen kann, ist China. Das Land ist einerseits hoch technisiert, andererseits noch nicht voll entwickelt. Es ist bereits Atommacht, verfügt über gewaltige Ressourcen hat eine riesige Fläche und Bevölkerung, die noch nicht komplett auf modernem Niveau versorgt ist, eine riesige individuelle Produktion und massive akute Umwelt-Probleme.

    China hat bereits massiv in den Ausbau der Erneuerbaren investiert, kann sie aber vielleicht noch nicht in dem gewünschten Umfang und Tempo integrieren. Hier könnte die Kernenergie eine Übergangs-Lösung für vielleicht 20 Jahre sein, um möglichst schnell von der Kohle weg zu kommen. Für Deutschland stellt sich die Frage so nicht, weil der vielfach imaginierte Bedarf so gar nicht existiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.