Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) möchte mit einem neuen Forschungsprojekt in Zukunft zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit beitragen. Der Grund dafür spiegelt sich in aktuellen Zahlen wieder. In Deutschland kommt es zu 500.000 Krankenhausnotaufnahmen pro Jahr, die aus unerwünschten Arzneimittelwirkungen resultieren. Hervorgerufen werden diese Notfälle durch Medikationsfehler.


Wirksame Strategien um Medikationsfehler künftig zu vermeiden

Die genannten Zahlen basieren jedoch lediglich auf Expertenschätzungen. Genaue Daten zu den Ursachen der Medikationsfehler und der Häufigkeit liegen nicht im Detail vor. Diese Lücke möchte das BfArM mit dem geplanten Forschungsprojekt jedoch schließen. Drei Kliniken in Bonn, Ulm und Fürth nehmen an dem neuen Projekt teil. Im Rahmen der Untersuchungen werden ein Jahr lang knapp 90.000 Notfalleinweisungen in die Krankenhäuser ausgewertet. Dabei soll herausgefunden werden, ob diese ebenfalls durch Fehler bei der Verschreibung von Medikamenten ursächlich sind. Die Forscher erwarten ungefähr 9.000 Fälle, die auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurück gehen. Sollte sich diese Zahl bestätigen, wäre das mehr als erschreckend. Die Studie soll erste Ergebnisse zu dem Ausmaß und auch die Ursache für die falschen Medikationen liefern. Zudem möchten die involvierten Studienleiter Strategien entwickeln um die zum Teil folgenschweren Fehler in Zukunft vermeiden zu können. „Zugleich soll die Relation zu solchen unerwünschten Arzneimittelwirkungen erfasst werden, die nicht durch Medikationsfehler verursacht werden“, klärt das BfArM auf.

Medikamente
BfArM möchte zur Arzneimittelsicherheit beitragen und Medikationsfehler künftig vermeiden

Die Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit hat hohe Priorität

Prof. Dr. Julia Stingl und Prof. Dr. Dirk von Mallek vom BfArM und dem Fakultätszentrum Translationale Medizin an der Universität Bonn leiten das neue Forschungsprojekt. Unterstützung finden sie bei der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), die ebenfalls ein Projekt zeitgleich startet, welches Medikationsfehler zentral erfasst und auch auswerten soll. „Hierbei kommen auch Daten aus dem Spontanmeldesystem zum Einsatz, also Verdachtsmeldungen, die unter anderem Ärzte und Patienten an das BfArM melden“, so das Bundesinstitut in einer Mitteilung.


„Medikationsfehler führen in der Praxis immer wieder zu erheblichen Gesundheitsschäden, obwohl sie häufig vermeidbar wären. Hier können wir mit unserer Forschung im Sinne der Patientinnen und Patienten gezielt zu einer weiteren Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit beitragen“, betont BfArM-Präsident Prof. Dr. Karl Broich. Die Lage ist also ernst und erfordert eine gewisse Dringlichkeit. Das BfArM-Forschungsprojekt wird vom Bundesgesundheitsministerium mit 580.000 Euro gefördert. Die beiden genannten Projekte machen einen Teil des Aktionsplans 2013-2015 aus. Dieser Plan soll zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland beitragen.

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