In einem Markt des Discounters Penny in Hannover-Langenhagen wartete auf die Kunden am Montagmorgen eine böse Überraschung: Rund sechzig Prozent der Produkte waren verschwunden. In ganzen Zahlen ausgedrückt, ergibt sich ein noch deutlicheres Bild: Von den sonst 2.500 unterschiedlichen Artikeln, waren 1.600 nicht mehr zu bekommen. Der Grund dafür war aber kein Mega-Stau auf der Autobahn und auch keine verfehlte Planung über das lange Wochenende. Vielmehr hat die Aktion einen ernsten Hintergrund: Gemeinsam mit dem Nabu und dem niedersächsischen Umweltministerium wollte der Rewe-Konzern auf die Folgen des zunehmenden Bienensterbens aufmerksam machen. Dafür räumten die Mitarbeiter alle Produkte aus den Regalen, die direkt oder indirekt von der Bestäubung durch die Insekten profitieren.


Eine Honigbiene entfernt sich von einer Blüte

Bienen sorgen für eine Wirtschaftsleistung in Höhe von 500 Milliarden Euro

Betroffen waren somit viele Obst- und Gemüsesorten, aber beispielsweise auch Tiefkühlpizza, Baumwollsocken und Fruchtjoghurt. Zudem waren zahlreiche Pflegeprodukte verschwunden, denn viele Cremes und Spülungen basieren auf pflanzlichen Inhaltsstoffen. Den Kunden, die zuvor nicht über die Aktion informiert worden waren, dürfte die Bedeutung der Biene also recht schnell klar geworden sein. Auch Wirtschaftswissenschaftler haben dies bereits bestätigt und schätzen, dass das – nach Rind und Schwein – drittwichtigste Nutztier jährlich eine Wirtschaftsleistung von bis zu 500 Milliarden Euro erbringt. Dennoch wurde bisher zu wenig zum Schutz der Bienenbestände getan: Von den 450 Arten an Wildbienen in Deutschland ist rund die Hälfte vom Aussterben bedroht – oder sogar bereits verschwunden. Bei den meisten anderen Insektenarten ist die Situation ähnlich.

Die alkoholischen Getränke waren noch vollzählig vertreten

Auch deswegen hat die Europäische Union vor kurzem beschlossen, vier für die Bienen extrem schädliche Neonicotinoide zu verbieten. Generell ist das Verhältnis der Landwirtschaft zu den Bienen ambivalent. Auf der einen Seite wachsen viele Pflanzen ohne den Einsatz der Tiere gar nicht, auf der anderen Seite trägt die moderne Bewirtschaftung der Felder aber auch stark zur Reduzierung des Bienenbestandes bei. Die Penny-Kunden in Hannover hingegen haben die Möglichkeit erhalten, das Problem anzugehen: Sie erhielten kleine Samentütchen, mit denen sie auf dem Balkon oder im Garten Blumen anpflanzen können. In einem Teil des Supermarkts war das Angebot übrigens noch weitgehend vollständig: Wein und Hopfen bestäuben sich selbst – die Auswahl an alkoholischen Getränken war also gewohnt groß.


Via: Penny

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