Die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat in Deutschland nicht nur für einen Boom in der Solarbranche gesorgt, sondern auch zahlreiche Biogasanlagen entstehen lassen. Diese sind aber gar nicht so umweltfreundlich, wie es der Name suggeriert. Denn die Betreiber machen am meisten Gewinn, wenn sie besonders energiereiche Pflanzen verarbeiten können. Dies wiederum hat die Entstehung von riesigen Monokulturen zur Folge, weil beinahe nur noch Raps oder Mais angebaut wird. Für die Bienen ist dies problematisch. Zum einen drohen sie nach der Ernte der Pflanzen zu verhungern, weil sie nicht mehr genügend Nektar und Pollen finden. Zum anderen ist insbesondere der Anbau von Mais mit einem hohen Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln verbunden – was für die Insekten ebenfalls nicht gut ist.


Eine Honigbiene entfernt sich von einer Blüte

Ein Cent pro Kilowattstunde werden zusätzlich fällig

Die Stadtwerke Nürtingen machen Stromkunden daher inzwischen ein besonderes Angebot: Strom aus Biogasanlagen, die mit bienenfreundlichen Pflanzen betrieben werden. Die Landwirte legen dann keine riesigen Rapsfelder mehr an, sondern säen eine bunte Mischung aus verschiedenen Samen. Das bedeutet allerdings auch: Die Biogasanlage produziert deutlich weniger Strom als zuvor. Um diese Ausfälle auszugleichen ist der neue Tarif exakt einen Cent pro Kilowattstunde teurer als der klassische Öko-Tarif der Stadtwerke. Dafür bekommen die Kunden aber die Gewissheit, etwas Gutes für die Bienen und die Artenvielfalt zu tun. Möglich ist dies nicht nur für die Menschen in Nürtingen: Der Tarif wird bundesweit angeboten. Bisher allerdings bewegt sich die Kundenzahl noch deutlich unterhalb der Erwartungen. Immerhin konnten aber schon zehn Landwirte für eine Zusammenarbeit gewonnen werden.


Einige Kritikpunkte an Biogasanlagen bestehen auch weiterhin

So interessant der Ansatz auch ist, löst er dennoch nicht alle Probleme, die mit Biogasanlagen verbunden sind. Denn den Anwohnern, die von den vielen Anlieferungen mit dem Traktor genervt sind, dürfte es reichlich egal sein, welche Pflanzen transportiert werden. Auch die Konkurrenz um Ackerflächen wird durch den neuen Tarif nicht beendet. So können auf den Äckern auch weiterhin nur entweder Nahrungsmittel für den Verkauf oder Pflanzen für die Biogasanlage angebaut werden. Diese Kritik wird auch immer wieder an Biosprit geübt und dort unter dem Schlagwort „Tank oder Teller“ zusammengefasst. Solange der Betrieb von Biogasanlagen in Deutschland aber staatlich gefördert wird, kann der Bienenstrom-Tarif eine sinnvolle Möglichkeit sein, um die negativen Auswirkungen zumindest zu begrenzen.

Via: Bienenstrom

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