Dass der Mensch einen wesentlichen Einfluss auf die Natur hat, wird wohl kaum jemand ernsthaft bestreiten wollen. Ein Bericht des Biodiversitätsrats enthüllt nun, dass der menschliche Einfluss auf die Artenvielfalt groß ist: Etwa eine Million Spezies sind inzwischen akut vom Aussterben bedroht. Neben anderen Gründen liegt dies auch an der intensiven Landnutzung durch die Menschheit, aber auch der Klimawandel und die zunehmende Umweltverschmutzung. Die Forscher warnen, dass der Mensch so auch seine eigene Lebensgrundlage gefährdet.


 

Foto: Earth, Kevin Gill, Flickr, CC BY-SA 2.0

Drastischer Artenschwund

Kaum eine Spezies hat stärkeren Einfluss auf die Ökosysteme der Erde wie der Mensch. Wir sind für das Aussterben etlicher Tier- und Pflanzenarten ausgestorben. Die Bedrohung der Arten geht sogar so weit, dass die Forschung inzwischen teilweise von einem sechsten Massensterben der Erdgeschichte spricht.


Der kürzlich veröffentlichte Global Assessment Report des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) liefert nun eine Antwort auf die Frage, wie es um die Artendiversität auf unserem Planeten wirklich bestellt ist. Dafür haben die Forscher über einen Zeitraum von drei Jahren etwa 15.000 wissenschaftliche Arbeiten und andere Quellen aus 50 Ländern ausgewertet. Das Ziel war es, eine Bilanz der letzten 50 Jahre zu ziehen und zu untersuchen, wie sich die Natur in diesem Zeitraum verändert hat und was die Rolle des Menschen bei diesen Veränderungen war.

Bei dem Bericht handelt es sich um eine Premiere. Noch nie zuvor gab es einen globalen Report, der sich so tiefgehend und aktuell mit dem Thema Biodiversität auseinandergesetzt hat. „ Die Wissenschaftler haben die neuesten Erkenntnisse zum Zustand der Erde zusammengetragen und zeichnen ein sehr düsteres Bild„, so Marten Winkler vom Deutschen Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig.

Die Auswertungen der Wissenschaftler zeigen, dass weltweit etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten aktuell vom Aussterben bedroht sind. Das sind mehr als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Arten in allen wichtigen Lebensräumen um etwa 20 Prozent zurückgegangen. Das Aussterben betrifft auch domestizierte Arten, also solche, die vom Menschen geformt wurden.

Mensch als Hauptursache

Als Hauptursache für diesen dramatischen Rückgang identifizierten die Forscher unsere eigene Spezies – also den Menschen. Es gäbe einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Einfluss des Menschen und den negativen Entwicklungen in der Natur, erläutern die Forscher. Dabei macht das Team fünf wichtige Faktoren aus, die für die aktuelle Lage verantwortlich sind. Der wichtigste dabei ist die Veränderung der Nutzung von Land und Meer. Inzwischen sind drei Viertel der Landfläche und etwa 66 Prozent der marinen Umwelt durch den Menschen umgestaltet worden. Etwa ein Drittel der Landfläche und fast 75 Prozent der Süßwasserressourcen werden heute allein für die Produktion von Getreide und die Nutzviehhaltung genutzt. Außerdem hat sich die weltweite Fläche, die von Städten belegt ist, seit 1992 mehr als verdoppelt.

Starkes Gegensteuern erforderlich

Auch die direkte Nutzung von Pflanzen und Tieren sowie der Klimawandel spielen eine Rolle für den Schwund der Arten. Außerdem kommen die Umweltverschmutzung und die Einschleppung invasiver Arten hinzu.

Die Rate der globalen Veränderungen in der Natur in den vergangenen fünf Jahrzehnten ist beispiellos für die Geschichte des Menschen„, so die Forscher. Der IPBES-Vorsitzende Robert Watson zeigt sich besorgt: „ Die Gesundheit der Ökosysteme, von der wir und alle anderen Spezies abhängen, verschlechtert sich schneller als je zuvor. Wir zerstören damit die Grundlagen unserer Wirtschaft, der Ernährungssicherheit, unseres gesundheitlichen Wohlergehens und unserer Lebensqualität.

Um die Entwicklung aufzuhalten, ist nach Ansicht der Autoren schnelles und entschiedenes Gegensteuern gefragt. Die derzeitigen Bemühungen rund um den Natur-, Umwelt- und Klimaschutz reichen schlicht nicht aus. Im Jahr 2010 verabschiedeten die Vereinten Nationen 20 Aichi-Ziele für den weltweitebn Artenschutz. Davon sind bisher nur vier erreicht worden.

Die weitere Nutzung der natürlichen Ressourcen auf unserem Planeten muss nachhaltig geschehen, damit der Artenschwund sich nicht fortsetzt. „ Zu den offensichtlichen Maßnahmen gehört, dass umweltschädliche Subventionen – beispielsweise für fossile Energieträger – zurückgefahren werden müssen. Außerdem muss der Wert der Natur für den Menschen bei gesellschaftlichen und ökonomischen Entscheidungsprozessen mehr Gewicht erhalten. Langfristig ist ein gesunder Planet die Grundlage für menschliches Wohlergehen und eine prosperierende Wirtschaft„, so Mitautor Thomas Hickler vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt am Main.

via IPBES

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