Infrarot
Foto: „Infrarotaufnahme des Sankt Marxer Friedhof in Wie“ Urheber Thoodor CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Die gezielte Weiterentwicklung des Menschen, das sogenannte Biohacking, kennt jeder aus den Medien. In zahlreichen Filmen, Büchern und Spielen (z.B. Matrix, Neuromancer und DeusEx) wurden Szenarien entwickelt, wie der Mensch der Zukunft aussehen könnte. Dazu gehört neben übermenschlichen Kräften auch die beliebte Fähigkeit, im Dunkeln sehen zu können. Jeffrey Tibbetts hat nun zusammen mit Freunden ein Experiment entwickelt, um diesen Ansatz in die Realität zu überführen. Die Umsetzung ist dabei relativ simpel, so ist nur eine strenge 25-tägige Diät einzuhalten, welche auf anatomischem und molekularbiologischem Fachwissen beruht.


Infrarotblick schulen: Eine Vitamin A- Diät soll es möglich machen

Der „Trick“ ist es, während der 25 Tage komplett auf Vitamin A zu verzichten und dieses durch Vitamin A2 zu ersetzen, welches der Mensch normalerweise kaum aufnimmt. Der Prozess des Sehens ist eine komplizierte biochemische Reaktion, für welche Vitamin A eine entscheidende Rolle spielt (deswegen solltet ihr als Kind auch immer die Möhren aufessen). Im Auge existieren prinzipiell Stäbchen (dienen der Lichtaufnahme), sowie drei Arten von Zapfen, welche für das farbliche Sehen verantwortlich sind (auch hier gilt das beliebte RGB-System). Vitamin A bindet sich als Form von Retinal an Proteine im Auge, Opsin genannt. Diese wandeln das auftreffende Licht in elektrische Signale um, welche im Endeffekt vom Gehirn als das „Sehen“ interpretiert werden.

Der Gedanke von Tibbetts und Co. ist es, dass durch die verminderte Aufnahme von Vitamin A die Empfindlichkeit der Zäpfchen sinkt und damit höhere Wellenlängen im Infrarot-Bereich wahrgenommen werden können.Das Experiment ist mit nicht unerheblichen Risiken verbunden, so kann diese Diät zu Appetitlosigkeit sowie emotionaler Instabilität führen und es besteht zudem die Gefahr, auf Dauer zu erblinden, falls diese Diät nicht streng eingehalten werden sollte. Auf Grund dessen haben von sechs Probanden nur drei den Test beendet.


Infrarot sehen ohne Hilfsmittel um jeden Preis?

Unter Fachleuten erntet das Experiment sowohl größte Skepsis als auch leichte Unterstützung, größter Streitpunkt sind die unkalkulierbaren Risiken als auch die Motivation dahinter. Jim Ver Hoeve (University of Wisconsin Department of Ophthalmology) hält dieses Experiment gar für wahnsinnig. Für Tibbetts geht es nach eigener Aussage um das Überschreiten der Grenzen des menschlichen Körpers. Problematisch ist auch die wissenschaftliche Praxis, da dieses Experiment nicht im Labor unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt wurde. So lässt sich die Auswertung nicht einwandfrei belegen.

Nichtsdestotrotz soll das Experiment erfolgreich gewesen sein. So behaupten Tibbetts und Freunde das sie nach Abschluss der 25 Tage in der Lage gewesen seien, Licht im infraroten Bereich sehen zu können, unter anderem haben sie auf Gegenstände im Dunkeln zeigen können, was „normal sehende“ Personen nicht konnten. Auch wenn dieses Experiment nicht den strengen Maßstäben des wissenschaftlichen Arbeitens standhält, ist es faszinierend zu sehen, wie Menschen ihre eigenen Grenzen überschreiten und Fiktion von gestern zur Realität werden lassen können.

Quelle: Popsci

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