Kunststoffe sind aktuell aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Sie finden sich in Handyhüllen, PET-Flaschen und natürlich in der allgegenwärtigen Plastiktüte. Die aus Erdöl hergestellten Materialien setzen beim Zerfall Kohlendioxid frei, welches dann zu globalen Erwärmung beitragen. Etwa 400 Millionen Tonnen CO2 gelangen aufgrund der Zersetzung von Plastik Jahr für Jahr freigesetzt. 2015, so schätzen Forscher, könnten bis zu 15 Prozent der CO2-Emissionen auf Kunststoffprodukte zurückgehen. Sogenannten Bioplastik soll dem entgegenwirken. Aber auch dieser Kunststoffalternative ist deutlich weniger umweltfreundlich als gedacht, wie Forscher der Universität Bonn herausfanden.


Foto: Water bottle, faungg’s photos, Flickr, CC BY-SA 2.0

Biokunststoff soll CO2-Emissionen senken

Statt Erdöl kommen bei Bioplastik nachwachsende Rohstoffe wie etwa Mai, Weizen oder Zuckerrohr als Grundstoffe für die Herstellung zum Einsatz. Diese Pflanzen entnehmen für ihr Wachstum CO2 aus der Luft und gleichen so die später bei der Zersetzung der Kunststoffe entstehenden CO2-Emissionen aus. Unter’m Strich also ein Nullsummenspiel, sollte man denken. Ob das wirklich so ist, haben nun Forscher rund um Neus Escobar von der Universität Bonn untersucht – und sind dabei zu interessanten Ergebnissen gekommen. „ Die Erzeugung großer Mengen Bioplastik verändert die Landnutzung. Global gesehen könnten dadurch zum Beispiel vermehrt Waldflächen zu Ackerland umgewandelt werden. Wälder binden aber erheblich mehr Kohlendioxid als etwa Mais oder Zuckerrohr, schon allein aufgrund ihrer größeren Biomasse„, so Escobar.

In der Vergangenheit konnte schon am Beispiel von Biokraftstoffen gezeigt werden, dass es sich nicht nur um einen theoretischen Effekt handelt. Eine erhöhte Nachfrage führte bei den umweltfreundlichen Treibstoffen in manchen Ländern zu massiven Rodungen. Escobar und sein Team wollten nun wissen, wie sich eine vermehrte Verwendung von Biokunststoffen auswirken würde.


Die Forscher untersuchten zwei Szenarien

Zu diesem Zweck haben die Forscher ein Computermodell eingesetzt, dass die komplette Weltwirtschaft abbildet und auch schon genutzt wurde, um die Effekte der erhöhten Biokraftstoff-Nachfrage zu untersuchen. „ Wir haben die Annahme getroffen, dass der Bioplastik-Anteil bei den wichtigsten Produzenten – Europa, China, Brasilien und den USA – auf fünf Prozent steigt. Dabei haben wir zwei verschiedene Szenarien durchgespielt: eine Steuer auf konventionelle Kunststoffe gegenüber einer Subvention für Bioplastik„, so Escobar. Im Falle einer Steuer sank die Nachfrage nach normalen Kunststoffen erheblich, was mit den höheren Kosten durch die Besteuerung verursacht wurde. Pro Jahr konnte so der CO2-Ausstoß durch Kunststoff um 0,08 Prozent gesenkt werden. Teilweise lag dies auch daran, dass die Steuer das Wirtschaftswachstum insgesamt ausbremste.

Zeitgleich jedoch stieg dabei die landwirtschaftlich genutzte Fläche und die Waldfläche nahm um 0,17 Prozent ab, was große Mengen Treibhausgase in die Atmosphäre entließ. „ Es handelt sich dabei zwar nur um einen einmaligen Effekt“, sagt Escobar. „Dennoch dauert es nach unseren Berechnungen mehr als 20 Jahre, bis dieser durch die erzielten Einsparungen wettgemacht wird„, so Escobar weiter.

Würde Bioplastik subventioniert, würde die Nachfrage nach herkömmlichen Kunststoffen weniger abnehmen. Jedoch wären auch die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft geringer. Aber auch in diesem Szenario würde es 20 Jahre dauern, bis die Umstellung sich bezahlt machen würde.

Biokunststoff schützt das Klima kaum

Eine vermehrte Verwendung von Bioplastik aus Nutzpflanzen scheint keine effiziente Strategie zu sein, das Klima zu schonen. Das sähe aber vermutlich anders aus, wenn zur Herstellung zum Beispiel pflanzliche Abfälle genutzt würden. Wir empfehlen daher, die Forschungsanstrengungen auf dieses Bioplastik der zweiten Generation zu konzentrieren und es so zur Marktreife zu bringen„, resümiert Escobar.

Die Forscher dämmten auch die Hoffnungen, dass die vermehrte Nutzung von Bioplastik die Verschmutzung der Weltmeere verringert, da diese Kunststoffarten auch nicht unbedingt leichter abbaubar sind als Kunststoff auf Erdölbasis. Allerdings muss man den Biokunststoffen zugute halten, dass sie die fossilen Brennstoffquellen schützen, da sie auf andere Rohstoffe setzen.

via Universität Bonn

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