Neben allen Organen, die der Mensch besitzt, ist das Gehirn am mysteriösesten. Nicht nur, weil es sich prinzipiell versucht, selber zu verstehen, sondern weil man auch heute nicht genau weiß, wie es funktioniert. Eine Sammlung exotischer Gehirne ist in einer Nervenklink in Austin wieder aufgetaucht und hat dabei ein besonderes Exemplar zu Tage gefördert – ein völlig glattes Gehirn.


Glattes Gehirn
Glattes Gehirn eines Erwachsenen; Foto via Adam Voorhes. http://www.voorhes.com

Die Ursache der fehlenden Konturen

Entdeckt wurde es zufällig von Adam Vorhees, der eigentlich nur Bilder für sein neues Buch machen wollte. Das besondere ist, dass dieses Gehirn weder Gräben (Sulci) noch Windungen (Gyri) besitzt. Dies wird hervorgerufen durch eine äußerst seltene Erkrankung namens Lissenzephalie. Ursachen für diese Krankheit können ein Gendefekt oder unzureichende Blutzufuhr zum Gehirn des Fötusses während der Schwangerschaft sein. Dabei gibt es unterschiedlich starke Ausprägungen der Erkrankung. Die häufigsten Symptome sind Probleme beim Schlucken, Muskelspasmen, Anfälle und Lernprobleme. Viele Betroffene der Krankheit sterben vor dem zehnten Lebensjahr.

Einhundert Jahre Bürokratie

Neben diesem Gehirn hat Vorhees noch etwa 100 weitere gefunden, alle konserviert in Formaldehyd. Diese gehörten alle zu Patienten der staatlichen Nervenheilanstalt von Austin, wurden jedoch über 20 Jahre vergessen und lagerten in einem Schrank im Tierlabor. Um mehr über diesen Fund zu erfahren verbrachte Vorhees über ein Jahr mit Recherchen. Außer einem hundertjährigem Papierkrieg über die Besitzrechte dieser Sammlung konnte er allerdings nichts in Erfahrung bringen, auch nicht über die Patienten, denen diese Gehirne einmal gehörten.


Die Krankheit Lissenzephalie und deren Auswirkungen sind so selten, dass diese selbst in einer Sammlung mit seltenen Krankheiten und außergewöhnlichen Gehirnen noch eine Rarität ist. Dies zeigt außerdem, welche Vielfalt an Ausprägungen des Gehirns existiert. Dabei sind viele Fragen über das Gehirn bis heute ungeklärt und lassen die Frage offen, ob das Gehirn es jemals schaffen wird, sich selbst zu verstehen.

Quelle: iflscience; Adam Voorhes

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