Das menschliche Gehirn zeichnet sich durch eine enorme Leistungsfähigkeit aus. Allerdings handelt es sich auch um ein extrem komplexes Gebilde. Wie genau bestimmte Dinge innerhalb des Gehirns funktionieren, kann die Wissenschaft bis heute nicht erklären. Ein ebenso noch nicht vollständig geklärtes Phänomen ist die Bewusstlosigkeit. Auf den ersten Blick scheint es einfach zu sein, zu erkennen, ob jemand wach oder bewusstlos ist. Allerdings gab es immer wieder Fälle, bei denen Personen in ihrem eigenen Körper gefangen waren. Von außen wirkten sie dabei bewusstlos, tatsächlich nahmen sie die Situation aber vollständig wahr. Wissenschaftler haben daher nun versucht, den Zustand der Bewusstlosigkeit messbar zu machen.


Die Unterschiede in den Gehirnaktivitäten sind klar zu sehen. Bild: Tagliazucchi / Demertzi

Die Aktivitätsmuster des Gehirns geben Hinweise

Dazu untersuchten sie die Gehirne von 159 Probanden mit der sogenannten funktionellen Magnetresonanztomografie – kurz: fMRT. Auf diese Weise wurde die Gehirnaktivität bei wachen Personen gemessen und mit den Daten von Leuten unter Narkose und Patienten im Wachkoma verglichen. Tatsächlich ließen sich 42 Schlüsselregionen in sechs Netzwerken identifizieren. Zusätzlich konnten vier Aktivitätsmuster beobachtet werden, die immer wieder auftraten. Der Clou: Je nach Zustand des Patienten kamen diese unterschiedlich oft vor. Wache Patienten beispielsweise wiesen immer wieder das Aktivitätsmuster 1 auf, bei dem eine enge Vernetzung der einzelnen Bereiche zu beobachten ist und eine dynamische Kommunikation über größere Bereiche hinweg stattfindet. Bei Patienten im Wachkoma hingegen zeigte sich immer wieder Aktivitätsmuster 4 mit einer nur geringen Vernetzung.

Bewusstlosigkeit könnte nachweisbar werden

Diese Beobachtung alleine war für die Wissenschaftler bereits von Interesse. Sie gingen aber noch einen Schritt weiter und stellten sich die Frage, wie die Gehirnaktivität bei Menschen aussieht, die nur scheinbar bewusstlos sind. Hier zeigte sich im Zuge verschiedener Experimente: Auch bei diesen lies sich immer wieder Aktivitätsmuster 1 feststellen. Somit sind die Forscher ihrem Ziel, die tatsächliche Bewusstlosigkeit messs- und nachweisbar zu machen, einen wichtigen Schritt näher gekommen. Wichtig könnte dies zum einen natürlich bei der Behandlung von Wachkoma-Patienten sein. Zum anderen lässt sich so aber möglicherweise auch der Erfolg einer Narkose besser beurteilen. Bis aus den ersten Ergebnissen jetzt allerdings ein praxistaugliches Verfahren wird, dürfte noch etwas Zeit vergehen.


Via: Physicsworld

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