Bluttransfusionen retten jeden Tag unzählige Menschenleben. Die behandelnden Ärzte müssen aber stets darauf achten, dass nur Konserven einer passenden Blutgruppe verabreicht werden. Denn sonst kann es passieren, dass die Antigene auf den roten Blutkörperchen von der Immunabwehr als fremd erkannt werden. Daraufhin greift das Immunsystem die roten Blutkörperchen an – was für den Empfänger der Blutspende lebensgefährlich sein kann. Bei der Blutgruppe 0 gibt es diese Probleme hingegen nicht. Das Blut kann bei allen Patienten genutzt werden. Allerdings haben nur rund 40 Prozent der Bevölkerung Blutgruppe 0. Gerade im Sommer kommt es daher immer wieder zu Engpässen. Kanadische Forscher könnten nun aber eine Lösung für das Problem gefunden haben.


Die Enzyme fanden die Forscher im menschlichen Darm

Denn sie haben ein Enzympaar entdeckt, das die Antigene auf den roten Blutkörperchen aufspaltet. Auf diese Weise kann im Labor aus einer Blutkonserve der Blutgruppe A eine Konserve der Blutgruppe 0 werden. Die Zahl der bei allen Patienten einsetzbaren Konserven könnte so deutlich gesteigert werden. Gefunden haben die Wissenschaftler die Enzyme im Darmtrakt des Menschen. Dort ernähren sie sich von Zuckermolekülen an der Darmwand. Weil die Antigene auf den Blutkörperchen eine ähnliche Struktur besitzen, kam den Forschern die Idee, das Enzympaar auch einmal auf diese Weise zu nutzen. Der Trick funktioniert bisher allerdings nur bei der Blutgruppe A. Blutkonserven der Blutgruppe B können also auch weiterhin nicht umgewandelt werden.


Das Verfahren lässt sich großflächig anwenden

Ganz neu ist die Idee zudem nicht. Schon in der Vergangenheit wurde herausgefunden, dass sich die Blutgruppe mithilfe von Enzymen verändern lässt. Allerdings mussten damals noch vergleichsweise große Mengen an Enzymen zum Einsatz kommen. Dies soll nun nicht mehr nötig sein, sodass das Verfahren theoretisch großflächig zum Einsatz gebracht werden könnte. Bis dahin sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen. Denn bevor tatsächlich umgewandelte Blutkonserven bei Patienten genutzt werden können, muss das Verfahren zunächst noch zahlreiche Tests durchlaufen. Erst wenn klar ist, dass es keine weiteren versteckten Antigene gibt, die eine Reaktion des Immunsystems auslösen könnten, darf eine offizielle Zulassung erteilt werden. Diesen Nachweis zu erbringen, dürfte aber nicht gerade preiswert werden.

Via: Süddeutsche Zeitung

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