Zusammen mit der Raumfahrtbehörde NASA erprobt der US-amerikanische Flugzeughersteller Boeing momentan eine Vielzahl von Möglichkeiten, um den Kraftstoffverbrauch von kommerziellen Jets zu verringern. Unter anderem wird momentan eine Antihaftbeschichtung für bessere Aerodynamik sowie eine aktive Luftstromregelung im Seitenleitwerk erprobt.


Boeing 757 EcoDemonstrator
Die Boeing 757 EcoDemonstrator (Foto: NASA)

Boeing will Kerosin sparen

Als Testflugzeug für die neuen Technologien fungiert eine Boeing 757 EcoDemonstrator, eine Abwandlung der Standardversion der Boeing 757. Mit Hilfe des Flugzeuges sollen die Spritspartechniken interessierter Kundschaft vorgeführt werden. Durch die Arbeit von Boeing und der NASA sollen sowohl Kosten als auch Emissionen gesenkt werden.

Bereits in diesem Frühjahr sollen zwei der neuen Technologie erprobt werden, die dazu beitragen werden, den Luftwiderstand des Flugzeugs zu verringern. Zum einen wurde eine neue Antihaftbeschichtung entwickelt, die verhindern soll, dass Insekten an aerodynamisch wichtigen Stellen des Flugzeugs haften bleiben. Auch wenn sie vergleichsweise klein sind, können an bestimmten Stellen des Flugzeuges haftende Insekten die aerodynamischen Eigenschaften desselben erheblich beeinflussen – jeder Segelflieger kann ein Lied davon singen. Betroffen sind vor allem die Nasenleiste der Tragflächen sowie bei großen Airlinern die sogenannten Krügerklappen, die benötigt werden, um die Langsamflugeigenschaften des Jets zu verbessern.


Das zweite System wurde von der NASA auf den Namen “Active Flow Control Enhanced Vertical Tail Flight Experiment” getauft. 31 kleine Aktoren dienen dazu, den Luftstrom über das Seitenleitwerk und das Seitenruder des Flugzeugs zu verändern. Das Seitenleitwerk dient sowohl zur vertikalen Stabilisierung im Landeanflug sowie als unterstützendes Hilfsmittel im Kurvenflug. Bei großen Passagierflugzeugen fällt das Seitenleitwerk vergleichsweise groß aus. Groß genug, um bei einseitigem Schubverlust die Kursabweichung um die Hochachse des Flugzeuges ausgeglichen werden kann. Mit anderen Worten: Im richtigen Moment kann ein beherzter Tritt des Piloten ins Seitenruder (welches über Fußpedale angesteuert wird) Leben retten.

Das neue System soll dabei helfen, das Seitenleitwerk künftig zu verkleinern, während die nötige Effizienz des Ruders beibehalten wird. So ließe sich im Reiseflug einiges an Kerosin sparen. Während der Testflüge im Frühjahr sollen diverse Szenarien wie Triebwerksausfälle oder blockierte Ruder simuliert werden.

Das zweite Testflugprogramm soll in einer Gegend mit einer hohen Dichte an Insekten durchgeführt werden. Die Wahl fiel auf den Flughafen Shreveport in Louisiana. Dabei sollen insgesamt fünf verschiedene Beschichtungen getestet werden. Die neue Beschichtung und das zugehörige Programm hört bei der NASA auf den Namen “Insect Accretion and Mitigation”. In 15 Flügen müssen die Antihaftschichten beweisen, dass sie ihren Zweck erfüllen ohne ihrerseits die aerodynamischen Eigenschaften des Flugzeugs zu beeinflussen.

Beide [Techniken] sind dafür gedacht, den Luftfluss über die Oberfläche zu verbessern und letztlich den Luftwiderstand zu senken. Ein reduzierter Luftwiderstand sorgt für niedrigeren Treibstoffverbrauch, was dazu führt, dass weniger Schadstoffe in die Atmosphäre gelangen”, erklärt Fay Collier vom Nasa Aeronautics Research Mission Directorate’s Environmentally Responsible Aviation (ERA) Project.

Boeings Testprogramm im Video

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