Unmittelbar nach der Atomkatastrophe von Fukushima war klar: Die Situation konnte durch den Menschen nicht mehr kontrolliert werden. Die Auswirkungen auf Mensch und Natur in der Umgebung würden sich daher erst im Laufe der Jahre und Jahrzehnte zeigen. Tatsächlich haben Forscher nun eine überraschende Entdeckung gemacht: Im Brackwasser unterhalb von Stränden wurde eine unerwartet hohe Konzentration des radioaktiven Cäsium 137 nachgewiesen. Die Ursache dafür ist klar: Nach der Katastrophe gelangte extrem viel radioaktives Wasser in den Ozean. Überraschend ist aber die Tatsache, dass die Konzentration an Cäsium im Brackwasser – selbst zahlreiche Kilometer von dem ehemaligen Kraftwerk entfernt – noch deutlich höher ist als etwa im Hafen von Fukushima.


Die Atomkatastrophe von Fukushima wird die Wissenschaft noch einige Jahrzehnte beschäftigen. By Digital Globe [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Der Strand agiert wie eine Art Schwamm für das Cäsium

Die Konzentration in dem Brackwasser unterhalb der Strände war zudem auch höher als im umliegenden Ozean und in allen in der Nähe befindlichen Süßwasserquellen. Von dort konnte die atomare Verunreinigung also nicht stammen. Die Theorie der Wissenschaftler: Im Anschluss an die Katastrophe wurde an vielen Stränden über eine längere Zeit radioaktives Wasser angespült. Dabei hat sich das Cäsium 137 an die Sandkörner des Strands geheftet und ist von dort in das darunter liegende Wasser gelangt. Dort sammelte es sich an – wodurch die enorm hohe Konzentration zu erklären wäre. Die Forscher vergleichen dies mit eine Art Schwamm: Der Strand hat im Jahr 2011 große Mengen an radioaktiven Partikeln aufgenommen und gibt diese nun nur sehr langsam wieder ab.

Die Gefahr für die Bewohner ist relativ gering

Tatsächlich hat dies enorme Auswirkungen: Denn durch das Brackwasser gelangen noch heute täglich große Mengen Radioaktivität in den Ozean. Schätzungsweise genau so viel wie durch den immer noch zerstörten Reaktor selbst. Da das Brackwasser in der Regel nicht durch den Menschen genutzt wird, ist die Gefahr für die Bewohner der Küstenstreifen vergleichsweise gering. Dennoch sollte der nun nachgewiesene Effekt zukünftig berücksichtigt werden, wenn es darum geht, Atomreaktoren an der Küste zu betreiben. Dies ist heute bei rund der Hälfte der weltweit 440 Atomkraftwerken der Fall. Natürlich abgebaut wird Cäsium 137 erst nach dreißig Jahren. Gut möglich, dass Forscher zukünftig auch noch an anderen Stellen eine überraschend hohe Konzentration nachweisen werden.


Via: Phys.org

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