Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stellte im Rahmen einer aktuellen Stichproben-Studie erschreckendes fest. In Putenfleisch, welches aus Discountern erworben wurde, konnten antibiotikaresistente Keime ausfindig gemacht werden. Insgesamt waren 88 Prozent der Proben betroffen. Die Funde stellen eine nicht unerhebliche Gefahr für die Konsumenten dar.


Antibiotikaresistente Keime
Antibiotika resistente Bakterien Bild: Mkaercher CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

40.000 Menschen sterben jährlich weil Antibiotika nicht mehr wirkt

Der BUND hat antibiotikaresistente Keime in handelsüblichem Putenfleisch gefunden. Die Stichproben stammten dabei aus den Discountern Aldi, Lidl, Netto, Real und Penny. Bundesweit konnten insgesamt 50 Proben positiv auf antibiotikaresistente Keime getestet werden. Die Märkte aus denen das untersuchte Fleisch stammte, befanden sich in beziehungsweise um Berlin, Hamburg, Dresden, Leipzig, Hannover, Göttingen, München, Nürnberg, Frankfurt, Mannheim, Köln und Stuttgart. Die Labore wiesen dabei bei 88 Prozent der Proben MRSA-Keime als auch ESBL-bildende Keime nach.

Die aktuellen Ergebnisse der Studie sorgen für eine Menge Gesprächsstoff und rufen zudem klare Forderungen auf den Programmplan. Die BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning spricht sich klar gegen Dumpingpreise für Fleisch aus. Fleisch ist günstiger denn jeh. Das wiederum schlägt sich deutlich auf die Qualität aus. Während der Mast erhalten 90 Prozent der Puten Antibiotika. Diese Anwendung sorgt auf Dauer dafür, dass immer mehr Keime eine Resistenz gegen Antibiotika bilden. Zusammen mit dem Fleisch landen die gefährlichen Keime in der heimischen Küche und sorgen unter Umständen für nicht zu unterschätzende Infektionen. Neusten Studien zufolge sterben allein in Deutschland jährlich 40.000 Menschen in den Krankenhäusern, weil Antibiotika im Kampf gegen Keime nicht mehr wirkt. Die Forschung arbeitet daher bereits mit Hochtouren an neuen Wirkstoffen. Es ist dabei jedoch ein sportlicher Wettstreit entstanden, so dass viele Unternehmen bereits an ihre Grenze stoßen und mit der Herstellung neuer Wirkstoffe in Verzug geraten. Hoffnungsträger sind dabei neue Behandlungsmethoden gegen antibiotikaresistente Keime.


Weniger Antibiotika in der Tierhaltung ist dringend notwendig

Vor allem empfindlichere Menschen können mit der Aufnahme von MRSA-Keimen an schweren Infekten erkranken. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND liefert ebenfalls ein klares Statement ab: „Rund neun von zehn Putenfleisch-Proben aus deutschen Discountern sind unseren Tests zufolge mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Das ist ein klares Zeichen für fortgesetzten Antibiotika-Missbrauch in der Geflügelmast. Dieser ist nicht nur dafür mitverantwortlich, dass wichtige Medikamente ihre lebensrettende Wirkung verlieren. Das erschreckende Ausmaß der Kontamination von Lebensmitteln mit diesen Risikokeimen ist vor allem ein deutliches Warnsignal vor den Risiken und Kollateralschäden der industriellen Tierhaltung.“

„Sämtliche Schlachthofkonzerne und Zerlegebetriebe, die das von uns getestete Putenfleisch an die Discounter geliefert haben, gehören dem von der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft eingerichteten Qualitätssicherungssystem QS an. Und trotzdem ist das Fleisch massiv mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Das zeigt, dass Änderungen im Tierschutz- und im Arzneimittelrecht notwendig sind, um die Schwächen dieses so genannten Qualitätssicherungssystems abzustellen“, betont Benning gegenüber dem Focus.

Es wird gefordert den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast deutlich zu reduzieren. Insgesamt waren nur sieben der 57 Proben unbelastet. Der BUND testete vergleichsweise auch vier Hofschlachtereien, die mit einer alternativen Putenhaltung warben. Hier konnten keinerlei Belastungen nachgewiesen werden. Die Studienergebnisse schockieren viel Experten, allerdings kommen diese nicht überraschend. Jährlich würden für die Tierhaltung in Deutschland 1450 Tonnen Antibiotika mit einem Wert von 800 Millionen Euro eingesetzt.

Flächendeckende Untersuchungen stehen noch aus

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger stuft die Untersuchungen nicht als repräsentativ ein. Dennoch zeigen die Ergebnisse auf, dass eine flächendeckende Erhebung unvermeidbar sei. Hierbei reichen die finanziellen Mittel des BUND nicht aus. Für eine zeitnahe Umsetzung seien also der Bund und die Länder gefragt.

Sollte belastetes Fleisch zuhause verarbeitet werden, gilt darauf zu achten, dass etwa das Messer mit dem das Fleisch geschnitten wurde nicht weiter verwendet wird. Die Keime werden nach dem Kochen oder Braten abgetötet.

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