Emily Whitehead könnte am Beginn einer medizinischen Revolution gestanden haben. Die junge Amerikanerin litt an Blutkrebs und hatte alle konventionellen Formen der Behandlung bereits durchlaufen. Die Ärzte hatten die Hoffnung bereits beinahe aufgegeben, entschieden sich dann aber für einen experimentellen Ansatz: Sie setzten genetisch veränderte körpereigene Zellen ein, die den Krebs bekämpften. Inzwischen ist bei Whitehead kein Blutkrebs mehr nachweisbar und die junge Frau lebt bereits seit mehreren Jahren ohne neue Symptome. In den Vereinigten Staaten ist die entsprechende Therapie namens Car-T bereits seit einem Jahr im Einsatz, in Europa wird die Zulassung für den nächsten Monat erwartet. Doch die Behandlung mit „lebenden Medikamenten“ bringt auch Probleme mit sich.


Der Preis für die Medikamente liegt im sechsstelligen Bereich

So sind die Nebenwirkungen nicht zu unterschätzen und bisher auch nur schwer zu prognostizieren. Es besteht sogar die Gefahr, dass Patienten an der Therapie sterben – und nicht an der eigentlichen Krebserkrankung. Car-T kommt daher zunächst auch nur bei Krebserkrankungen zum Einsatz, die sich resistent gegen die bisher verwendeten Behandlungsmethoden gezeigt haben. Der Einsatz ist zudem mit nicht unerheblichen Kosten verbunden: In den Vereinigten Staaten rufen die Pharma-Konzerne Preise zwischen 370.000 und 475.000 Dollar für die entsprechenden Medikamente auf. Für Europa gibt es noch keine finale Festlegung. Es gibt aber wenig Grund zu der Annahme, dass es hierzulande deutlich günstiger werden wird. Auf die Krankenkassen könnten also erhebliche Kosten zukommen.


Aktuell sind in Deutschland nur geringe Fallzahlen zu erwarten

Allerdings verweisen die Hersteller auch auf den enormen Nutzen des neuen Ansatzes: So zitiert der Konzern Gilead eine Studie, der zufolge bei rund der Hälfte der Patienten mit Lymphdrüsenkrebs anschließend keine Krebszellen mehr im Körper zu finden waren. Zumindest im Moment ist die Zahl der potentiellen Einsätze auch noch nicht besonders hoch. So kommen in Deutschland rund 800 Patienten mit Lymphdrüsenkrebs und 150 Menschen mit Blutkrebs für eine Car-T-Behandlung in Frage. Erfüllt die neue Methode dabei allerdings die in sie gesetzten Erwartungen, dürfte der Kreis der Patienten ausgeweitet werden – etwa weil der Ansatz dann auch schon in früheren Stadien der Erkrankung eingesetzt wird. Ein Hersteller scheint von seinem Produkt zur Car-T-Behandlung jedenfalls überzeugt zu sein: Novartis hat in den USA ein Modell angeboten, bei dem die Therapie nur im Erfolgsfall von den Kassen bezahlt werden muss.

Via: FAZ

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