Kanadas Luft wird ärmer an Kohlendioxid, wenn auch nur ein ganz kleines bisschen. Das Unternehmen Carbon Engineering hat die weltweit größte Anlage gebaut, die der Luft dieses Klimagas entzieht. Pro Tag ist es eine Tonne, die in Form von Kalziumkarbonat gebunden wird. Dieser Feststoff gibt reines Kohlendioxid ab, wenn er auf 800 bis 900 Grad Celsius erhitzt wird. Dieses soll in einem zweiten Teil der Anlage, die 2017 in Betrieb gehen wird, mit Wasserstoff zu Treibstoffen wie Benzin, Diesel und Kerosin verschmolzen werden. Das gelingt bei mäßigen Drücken und Temperaturen, wenn ein leistungsfähiger Katalysator das reaktionsträge Kohlendioxid auf Trab bringt, so dass es mit Wasserstoff reagiert. Diesen gewinnen die Kanadier aus Wasser. Der dazu nötige Elektrolyseur soll mit Wind- und Solarstrom betrieben werden.


Kohlendioxid für die Getränkeindustrie

Die Entlastung für die Luft wird in Kanada nicht wirklich spürbar sein. Später vielleicht doch. „Mit unserer Technik lassen sich Großanlagen bauen, die fürs Klima relevante Mengen an Kohlendioxid binden“, sagt Adrian Corless, CEO bei Carbon Engineering. Außer zur Herstellung von Treibstoff kann das Kohlendioxid, das, anders als das aus Kraftwerksabgasen, in hochreiner Form vorliegt, auch an die Getränkeindustrie verkauft werden. Oder es wird in tiefen geologischen Formationen gelagert, ähnlich wie es auch für Kohlendioxid aus Abgasen geplant und teilweise schon realisiert wird. Diese Methode ist allerdings umstritten, vor allem in Deutschland. Das Gas könnte, so die Befürchtung, wieder an die Erdoberfläche gelangen und dort alles Leben zerstören, weil Kohlendioxid schwerer ist als Luft, sodass es den Sauerstoff verdrängt.


Dresdner stellen bereits umweltfreundlichen Sprit her

In Deutschland ist der Prozess, den die Kanadier gerade aufbauen, bereits Wirklichkeit, wenn auch in kleinerem Maßstab. Das Dresdner Unternehmen Sunfire, eine Ausgründung aus der Technischen Universität der Sachsenmetropole, stellt Treibstoff aus Kohlendioxid, das der Luft entzogen wird, und Wasserstoff her, der mit regenerativer Energie gewonnen wird. Die Filtertechnik für Kohlendioxid stammt vom Schweizer Unternehmen Climeworks , einem Spin-off der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Es hat ein Material entwickelt, das Kohlendioxid-Moleküle schwammartig aufsaugt. Alle anderen Bestandteile der Luft flutschen ungehindert durch.
Das US-Unternehmen Global Thermostat aus Princeton im US-Bundesstaat New Jersey hat ebenfalls eine Einfangtechnik für Kohlendioxid entwickelt. Das Klimagas soll an Unternehmen verkauft werden, die daraus Treibstoffe herstellen.

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