Ein Pilotprojekt in Sachsen-Anhalt möchte gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Auf der einen Seite soll der anfallende Plastikmüll sinnvoll genutzt werden. Auf der anderen Seite geht es aber auch darum, eine klimafreundliche Verwendung für die heimische Braunkohle zu finden. Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut soll daher ein Verfahren entwickelt werden, bei dem aus altem Plastikmüll und Braunkohle neue Grundstoffe für die chemische Industrie gewonnen werden – etwa Kohlenstofffasern. Die Landesregierung hat nun zugesichert, mit 15 Millionen Euro die Hälfte der anfallenden Kosten zu übernehmen. Der Rest soll aus Mitteln der Bundesregierung finanziert werden. Umgesetzt wird das Projekt dann im Industriegebiet Leuna in der Nähe von Halle an der Saale.


Für die heimische Braunkohle muss langfristig eine neue Verwendung gefunden werden. Bild: HUMINTECH GmbH

Plastikmüll kann ein wertvoller Rohstoff sein

Bisher wird der Plastikmüll in Deutschland zwar oftmals getrennt eingesammelt, dann aber doch lediglich thermisch verwertet – sprich verbrannt. Dabei werden zum einen große Mengen CO2 freigesetzt. Zum anderen ist diese Vorgehensweise aber auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht wirklich sinnvoll. Denn faktisch werden auf diese Weise fossile Rohstoffe verfeuert, die zuvor teuer importiert wurden. Deutlich zweckmäßiger wäre es, den Plastikmüll selbst wiederum als Rohstoff zu betrachten. Dieser Ansatz soll nun in Leuna in der Praxis erprobt werden. Erteilt auch die Bundesregierung ihre Zustimmung, könnten die Planungen in drei Jahren abgeschlossen sein, sodass im Jahr 2022 mit dem Bau begonnen würde. Neben dem Fraunhofer Institut sind auch die Unternehmen Mibrag und Romonta an dem Projekt beteiligt.

Noch besser leben ohne Plastik
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Zuletzt aktualisiert am 22.05.2018

Die Verstromung von Kohle hat keine Zukunft

Für die Region in Ostdeutschland könnte das Projekt eine große Chance bedeuten. Nicht nur weil dadurch zunächst dreißig hochwertige Arbeitsplätze geschaffen werden, sondern vor allem weil eine Nutzungsperspektive für den Kohleabbau geschaffen wird. Auch wenn die Bundesregierung sich bisher nicht zu einem konkreten Ausstiegsdatum durchringen konnte, ist nämlich klar: Die Verstromung der einheimischen Braunkohle hat keine dauerhafte Zukunft. Dadurch sind in den teilweise ohnehin strukturschwachen Regionen aber auch zahlreiche Arbeitsplätze in Gefahr. Gelingt es tatsächlich eine alternative Nutzung zu finden, könnte der Tagebau zumindest teilweise erhalten bleiben und gleichzeitig der Klimaschutz vorangetrieben werden. Die Experten am Fraunhofer Institut halten den verfolgten Ansatz in jedem Fall für vielversprechend.

Via: MDR


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