In den Tropen und Subtropen ist Maniok, auch Cassava genannt, ein wichtiges Grundnahrungsmittel. In ärmeren Regionen, vor allem in Afrika, gibt es eher selten was dazu. Es kommt zu Mangelernährung, weil die Wurzelknolle im Wesentlichen Stärke enthält. Die Blätter und Stängel dagegen sind eine wahre Fundgrube für Ernährungswissenschaftler. Sie enthalten hochwertige Proteine, essentielle Aminosäuren und Vitamine, die für die Ernährung in vielfältiger Hinsicht nutzbar gemacht werden können, so Forscher an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Stattdessen verrotten sie auf den Äckern.


Maniok-Pflanzen im Gewächshaus der Universität Hohenheim. | Bild: Uni Hohenheim / Ziba Barati

In den Blättern stecken wertvolle Nahrungsmittel-Zusätze

Das soll sich ändern. „Würden auch die Cassava-Blätter verzehrt, würde dies nicht nur eine Steigerung der Lebensmittelproduktion auf gleicher Fläche ermöglichen, es wäre insbesondere auch ein Beitrag zur ausgewogenen Ernährung der Bevölkerung“, sagt Professor Joachim Müller vom Institut für Tropische Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim. „Denn die Blätter enthalten genau das, was der Knolle fehlt. Die Trockenmasse besteht zu 30 Prozent aus hochwertigen Proteinen mit essentiellen Aminosäuren und einem hohen Gehalt an Vitamin A.“

Pflanzen schützen sich mit Blausäure vor Feinden

Einfach essen kann man weder Knolle noch Blätter oder Stängel. In rohem Zustand ist alles giftig. Die Pflanze schützt sich mit dem Glucosids Linamarin, das in Blausäure umgewandelt wird, sobald die Pflanze verletzt wird, vor Fressfeinden. Alles muss stundenlang gekocht werden. Glauben die Maniok-Nutzer jedenfalls. Doch dabei gehen fast alle wertvollen Inhaltsstoffe verloren. Die Hohenheimer Forscher haben nun herausgefunden, dass das Gift auch dann abgebaut wird, wenn die zerkleinerten Blätter in Wasser, dem Natron zugegeben wird – das kommt in Backpulver vor –, eingeweicht wird. „Dieses für den Hausgebrauch gut geeignete Verfahren schützt die wertvollen Inhaltsstoffe“, so Müller.


Neue Nudelkreation mit proteinhaltigen Cassava-Blättern. | Bild: Uni Hohenheim / Ziba Barati

Nudeln mit Maniok-Zusatz

Die Blätter könnten auch industriell verarbeitet werden. Der Saft, den man herauspressen kann, enthält die Wertstoffe in hoher Konzentration. Er könne für die Herstellung hochwertiger Lebensmittel verwendet werden. „Unsere Projektpartner an der Science University Malaysia haben unter Beigabe von Cassava beispielsweise eine neuartige, proteinhaltige Nudelsorte kreiert, die durch ihr grünes Aussehen auch optisch sehr reizvoll wirkt“, so Müller.
Die Knollen müssen vor der Verarbeitung zu Speisen geschält werden. Die Schalen verrotten und emittieren große Mengen des Klimagases Methan. Auch das wollen die Hohenheimer Forscher ändern. Die Schalen könnten in Biogasanlagen zu Biogas vergoren werden, mit dem ein Generator zur Stromerzeugung angetrieben werden könnte.

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