Die Chemotherapie ist eine Standardbehandlung im Falle von Krebserkrankungen. Da es sich bei Chemotherapie-Medikamenten aber um Zellgifte handelt, kann es zu teilweise massiven Nebenwirkungen kommen. Diese gehen von Übelkeit über Erbrechen und Haarausfall bis hin zu kognitiven Störungen. Forscher der University of California in Berkeley haben eine Art künstlichen Schwamm entwickelt, mit dem sich die Nebenwirkungen bestimmter Chemotherapien deutlich reduzieren lassen.


Bild: Scary, Nicki Dugan Pogue, Flickr, CC BY-SA 2.0

Filter für Chematherapeutika

Die Forscher um Hee Jeung Oh von der University of California in Berkeley waren auf der Suche nach einem Weg, um die Ausbreitung des Zellgiftes im Körper zu verhindern. Die Idee des Teams: Wenn das Blut beim Austritt aus dem befallenen Organ gefiltert wird, könnte man die überschüssigen Reste der Chemotherapie entfernen und so einige der Nebenwirkungen verhindern.

Hierfür haben die Forscher ein winziges, schwammähnliches Konstrukt aus einem Stützgerüst mit einer Polymerbeschichtung entwickelt. Das verwendete Polymer bindeet an Doxorubicin – ein Chemotherapeutikum, das unter anderem bei Lebertumoren zum Einsatz kommt.


Erste Tests an Tieren verliefen erfolgreich

Die Forscher nennen ihr Konstrukt Absorber. Es kann in einem minimalinvasiven Eingriff in eine Vene hinter dem betroffenen Organ eingesetzt werden. „ Der Chirurg führt den Zylinder mithilfe eines Drahtes ein und platziert ihn wie einen Stent. Er wird dann für die Zeit der Chemotherapie vor Ort belassen und anschließend wieder entfernt„, so Nitash Balsara, der an dem Projekt beteiligt war.

Blutzellen können den Polymer-Zylinder problemlos durchfließen. Medikamentenrückstände allerdings, die im Blut gelöst sind, bleiben in dem Polymer hängen. Der Zylinder kann individuell angepasst werden, um zu verhindern, dass das Blut daran vorbeifließt.

In einem ersten Experiment testeten die Forscher ihre Entwicklung an drei Schweinen. Das Ergebnis war vielversprechend. Der Absorber wurde in die Lebervene eingesetzt und entfernte durchschnittlich immerhin etwa 64 Prozent des zuvor in die Blutbahn eingebrachten Doxorubicins, ohne dass es durch den Absorber selber zu Nebenwirkungen kam. „ Dies ist ein erster Beleg dafür, dass unsere Entwicklung Medikamente aus dem Blut erfolgreich binden kann„, so Balsara.

Die Forscher bereiten derzeit Tests an menschlichen Probanden vor. Sollte sich die Methode bewähren, könnte sie das Leid vieler Krebspatienten gelindert werden. Denn vom Prinzip her könnten auch andere Polymer entwickelt werden, die sich mit anderen Chemotherapeutika verbinden.

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