In den 1970er Jahren galt Chlordecon als Wundermittel gegen den auf den französischen Antillen sehr aktiven Rüsselkäfer. Ganze Bananenplantagen konnten durch den Einsatz des Pestizids gerettet werden. Heute – rund vierzig Jahre später – zeigen sich aber auch die negativen Auswirkungen: Das Trinkwasser ist verseucht, die ehemals autarke Insel muss Lebensmittel importieren und die Gefahr an Prostatakrebs zu erkranken ist deutlich höher als in anderen Gebieten der Europäischen Union. Davon allerdings wusste man in den 1970er Jahren noch nichts. Vielmehr ging man eine zeitlang sogar davon aus, dass der Einsatz vollkommen unbedenklich sei, weil in den Bananen selbst keine Rückstände nachgewiesen wurden. Stattdessen aber lagerte sich das Gift in den Böden der Insel ein und gelangte auch in das Grundwasser.


Ein Teil der französischen Antillen von der ISS aus fotografiert. (Public Domain)

Das Trinkwasser muss bis heute aufwändig gefiltert werden

Dies ist besonders problematisch, weil Chlordecon zum sogenannten „Dreckigen Dutzend“ gehört. Damit werden gefährliche Chlorverbindungen bezeichnet, die krebserregend sind und sich über Jahre im Körper anreichern. Der biologische Abbauprozess hingegen verläuft extrem langsam. So ist der Einsatz des Pestizids auf den französischen Antillen bereits seit dem Jahr 1993 verboten. Dennoch muss das Trinkwasser noch immer mit Kohlefiltern gereinigt werden, um die Rückstände zu beseitigen. Im Mai dieses Jahres fielen diese allerdings aus, sodass die Bewohner rund einen Monat belastetes Wasser nutzen mussten. Anschließend griffen die Behörden ein und ordneten die Verteilung von Wasserflaschen an. Auf Dauer ist das aber natürlich eine sehr aufwändige und teure Lösung, weshalb die Filter nun ersetzt werden sollen. Im Bereich der Nahrungsmittel ist der Import von unbelasteten Produkten allerdings schon lange notwendig.

Auch Selbstversorger mit eigenem Garten sind betroffen

Die offizielle Empfehlung der Behörden sieht vor, dass die Einwohner nur noch vier Mal in der Woche Fisch und zwei Mal Wurzelgemüse essen sollen. Befolgt wird diese Regelung allerdings nicht immer – schließlich handelt es sich um die Grundnahrungsmittel vieler Einwohner. Besonders die ärmere Bevölkerung setzt zudem traditionell auf den Anbau im eigenen Garten, um sich kostengünstig mit Lebensmitteln zu versorgen. Hier zeigt sich die ganze Tragik des Einsatzes von Chlordecon: Selbst wenn die Privatbauern komplett auf den Einsatz von Pestiziden verzichten, weist die Ernte noch immer deutlich überschrittene Grenzwerte auf. Dies schadet nicht nur der Bevölkerung, sondern sogar noch ungeborenen Kindern. Studien haben gezeigt, dass diese sich später deutlich schlechter entwickeln, wenn die Mutter während der Schwangerschaft mit Chlordecon in Kontakt kommt.


Via: Die Zeit

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