Erkrankungen des Gehirns sind sowohl für die Erkrankten als auch deren Angehörigen besonders erschreckend. Besonders schwer ist das Los, wenn es sich um eine unheilbare Krankheit handelt. In diese Kategorie fällt auch Chorea Huntington. Die Erbkrankheit führt zu einem stetigen Abbau der Kontrolle über motorische Fähigkeiten sowie der kognitiven Funktionen des Gehirns. Die ersten Symptome treten meist um das 40. Lebensjahr herum auf, und die Krankheit verläuft zu 100 Prozent tödlich. Vor ihrem Tod dürfen sich Patienten mit Chorea Huntington bis zu 20 Jahre lang beim körperlichen und geistigen Verfall zusehen. Bisher existieren lediglich unterstützende Therapien, eine Heilmethode ist noch nicht bekannt. Allerdings forscht die Wissenschaft fleißig an dieser. Erst gestern stellten wir euch Fortschritte aus einem anderen Bereich der Hirnforschung vor. Nun kommt aus den USA die nächste wissenschaftliche Sensationsmeldung: Forschern der Washington University School of Medicine in St. Louis ist nun ein wichtiger Beitrag auf dem Weg zu einem Heilmittel für Chorea Huntington gelungen, indem sie menschliche Hautzellen direkt in Gehirnzellen umwandelten.


Chorea Huntington Heilung
Oben: Menschliche Hautzellen; Unten: Durch das Verfahren gewonnene stratiale Projektionsneurone

Forschern gelingt die direkte Umwandlung von Hautzellen

Den Wissenschaftlern gelang es erstmals, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem sich Hautzellen ohne Umwege in eine bestimmte Art von Gehirnzellen umwandeln lassen, die im Gehirn von Chorea Huntington Patienten pathologische Veränderungen aufweisen.

Die entwickelte Methode weist entscheidende Vorteile auf. Zum einen greift sie auf menschliche Hautzellen zurück, die sehr viel einfacher verfügbar sind als pluripotente Stammzellen. Zum anderen bietet sie im Gegensatz einer von der University of Rochester entwickelten Methode, bei der aus Hautzellen mit einem Umweg über pluripotente Stammzellen Gehirnzellen gewonnen werden, einen Weg zur Umwandlung der Hautzellen, der ohne Zwischenschritte auskommt. Die Umprogrammierung der Zellen erfolgt in einer einzigen Phase.


Chorea Huntington greift im Gehirn bestimmte Neurone an

Chorea Huntington führt unter anderem zu krankhaften Veränderungen eines bestimmten Neuronentyps, den stratialen Projektionsneuronen (im Englischen Medium spiny Neuron, kurz MSNs). Diese sind in den Prozess der Initialisierung und Kontrolle von Bewegungen verantwortlich, was dazu führt, dass Patienten mit Chorea Huntington langsam die Kontrolle über ihren Bewegungsapparat verlieren. Diese Neuronen sind im Gehirn vor allem in einem speziellen Teil der Baselganglien zu finden, den man als Corpus Callosum bezeichnet. In diesem Teil des Gehirns finden sich auch sogenannte Projektionsfaktoren (Proteine, die für die Übertragung von Information von der DNA auf sogenannte messenger-RNA (m-RNA) verantwortlich sind).

Forscher setzen auf microRNA

Die Forscher der Washington University Medical School setzen die Hautzellen chemischen Signale aus, die denen von sogenannten micro-RNAsentsprechen. Unter Leitung der Transkriptionsfaktoren differenzieren die Zellen so zu MSNs. Die Wissenschaftler nehmen an, dass die microRNA eine entscheidende Rolle bei der Differenzierung der Haut- zu Gehirnzellen spielen. Diese Vermutung wird von der Tatsache gestützt, dass die reine Injektion der Zellen mit Transkriptionsfaktoren zu keinem Ergebnis führte. Das Team gibt jedoch zu, dass der genaue Differenzierungsprozess noch im Dunklen liegt.

Bis zur Heilung von Chorea Huntington ist es noch ein langer Weg

Die so gewonnenen Neuronen wurden im Rahmen in einer Studie in die Gehirne von Mäusen transplantiert und zeigten dort sowohl morphologische als auch funktionale Integration und überlebten in den Host-Gehirnen mindestens sechs Monate lang. Der Nachweis einer positiven Auswirkung auf an Chorea Huntington erkrankten Mäuse steht allerdings noch aus. Von Behandlungsmethoden für Menschen sowie deren Überprüfung in klinischen Studien ganz zu schweigen.

Doch selbst wenn aus der Methode keine direkte Heilung für Chorea Huntington entsteht, ist die Forschung der Washington University Medical School zweifelsfrei von Bedeutung für das Verständnis der Eigenschaften der betroffenen Neuronen.

Das Forscher-Team veröffentlichte seine Ergebnisse in einem Artikel in der Fachzeitschrift Neuron.

Quelle: Washington University in St. Louis

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