Seit den 1990er Jahren können Verbrecher nicht mehr nur anhand des klassischen Fingerabdrucks am Tatort überführt werden. Stattdessen reichen inzwischen auch schon kleine DNA-Spuren, um den genetischen Fingerabdruck zu identifizieren und so Fälle aufzuklären. Allerdings gilt dies bisher nur mit einer Einschränkung: Bei eineiigen Zwillingen kommt der DNA-Test zu identischen Ergebnissen. Teilweise führte dies vor Gericht zu kuriosen Ergebnissen. So gab es im Jahr 2004 eine Vaterschaftsklage im US-Bundesstaat Missouri. Dort kam der DNA-Test bei den Zwillingsbrüdern Raymon und Richard. A. Miller jeweils zu einer Wahrscheinlichkeit der Vaterschaft von 99,999 Prozent. Weil dies natürlich nicht sein kann, mussten die Richter dann auf anderem Wege klären, wer denn nun den Unterhalt zu zahlen hat. Es war Raymon.


Bei freiwilligen Probanden konnten die Zwillinge unterschieden werden

Noch problematischer ist die Schwachstelle aber im Fall von Vergewaltigungen. Auch hier gibt es weltweit eine Reihe von Fällen, die nicht aufgelöst werden können, weil sich der genetische Fingerabdruck nicht eindeutig zuordnen lässt. Einige Wissenschaftler wollten sich damit aber nicht abfinden und haben ein Testverfahren entwickelt, das auch bei eineiigen Zwillingen einen Unterschied in der DNA feststellen kann. Ein entsprechendes wissenschaftliches Paper wurde in der Fachzeitschrift PLOS Genetics veröffentlicht. Die Grundlagen wurden zudem durch das Unternehmen Eurofins Scientific in Brüssel aufgenommen. Die Experten dort fanden tatsächlich ein Zwillingspaar, das bereit war, die benötigten Proben freiwillig zur Verfügung zu stellen. Und tatsächlich: Es gelang, den Vater und den Onkel zweifelsfrei zu bestimmen. Möglich wird dies, weil auch eineiige Zwillinge keinen vollständig identischen genetischen Fingerabdruck haben.


Ein spektakulärer Raub in Berlin könnte aufgeklärt werden

Vielmehr sind lediglich die bisher untersuchten Marker nicht zu unterscheiden. Sequenziert man allerdings jeweils das komplette Genom wird man auf einige wenige Mutationen treffen. Das Verfahren ist somit deutlich aufwändiger als ein klassischer DNA-Test, liefert dafür dann aber auch ein zuverlässiges Ergebnis. Vor Gericht konnte der neue Test bisher allerdings noch nicht angewendet werden. Bei einem Versuch in Boston zeigte die Richterin sich zwar aufgeschlossen, wollte zunächst aber noch das Peer-Review-Verfahren einer Fachzeitschrift abwarten. Dieses ist nun erfolgt, sodass theoretisch bald erste Urteile auf Basis des neuen Zwillingstests gefällt werden könnten. Auch in Deutschland ist ein spektakulärer Fall noch offen: Der Millionenraub im KaDeWe aus dem Jahr 2009 konnte bisher nicht aufgeklärt werden, weil der Tatverdächtige einen eineiigen Zwilling hat.

Via: New York Times

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