Trotz der Atomkatastrophe von Fukushima werden weltweit noch immer zahlreiche neue Kernkraftwerke geplant. Zwar ist der Atomausstieg in Deutschland mittlerweile fixiert und politisch unumstritten. In Osteuropa hingegen sollen in Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn gleich mehrere neue Atomkraftwerke gebaut werden. Die Begründung für diesen Schritt ist jeweils sehr ähnlich: Die Staaten wollen die Versorgungssicherheit erhöhen und gleichzeitig die Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Ausland reduzieren. So wird in vielen osteuropäischen Ländern befürchtet, Russland könnte etwa die Erdgaslieferungen als politische Waffe benutzen. Allerdings: Die beiden genannten Ziele ließen sich auch über einen Ausbau der Erneuerbaren Energien bewerkstelligen. Eine Studie von Greenpeace Energy kam nun sogar zu dem Ergebnis, dass dies letztlich deutlich kostengünstiger sei.


Der belgische Pannenreaktor Tihange. Foto: Michielverbeek [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Kosten scheinen bewusst niedrig kalkuliert worden zu sein

Um dies zu berechnen, muss man allerdings zuerst wissen, wie teuer die Stromproduktion in den neuen Atomkraftwerken sein wird. Und genau darüber gibt es Uneinigkeit. In den Planungen wird zumeist mit rund 80 Euro pro Megawattstunde kalkuliert. Doch dies erscheint aus einem einfachen Grund unrealistisch: Bei Bauprojekten in Großbritannien und Frankreich wird mit deutlich höheren Summen gerechnet. So garantiert die britische Regierung bei dem Neubauprojekt Hinkley Point C einen Abnahmepreis von 119 Euro pro Megawattstunde. Es gibt keinen logischen Grund, weshalb ein Kernkraftwerk in Polen den Strom viel günstiger produzieren können sollte. Nimmt man den Wert aus Großbritannien als Basis, können die Erneuerbaren Energien preislich durchaus mithalten.

Eine Zusammenarbeit könnte für günstigen grünen Strom sorgen

So wurden die Kosten eines Systems untersucht, bei dem der Strom vor allem durch Wind- und Solaranlagen erzeugt wird. Außerdem wurde ein Speichersystem eingeplant, um eine konstante Einspeisung in das Netz zu garantieren. Demnach soll der überschüssige Strom per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt und als Gas gespeichert werden. Bei Bedarf kann daraus dann wieder Strom gewonnen werden. Den Berechnungen zufolge lägen die Kosten pro Megawattstunde bei einem solchen nachhaltigen System in den betroffenen Ländern zwischen 112 und 128 Euro. Eine Ausnahme bildet lediglich die Slowakei: Hier lägen die Kosten bei 167 Euro. Der Clou aber: Würden die Staaten auf dem Gebiet der Energiepolitik kooperieren, könnten die Kosten für ein solches System auf rund 100 Euro pro Megawattstunde sinken. Doch dies scheint politisch nicht gewollt zu sein.

Via: Greenpeace Energy


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