Tim Berners-Lee gilt als Erfinder des World Wide Web. Aktuell bereitet das Internet dem britischen Informatiker aber oft Kopfzerbrechen. Er sieht das freie Internet durch Desinformationen, Hasskommentare und Datenmissbrauch in Gefahr. Er ist sich aber auch bewusst, dass sich die Vernetzung der Welt nicht mehr zurückdrehen lässt. Stattdessen will er mit einem neuen Vertrag – dem sogenannten „Contract for the web“ – einen Neustart einläuten. Die Unterzeichner verpflichten sich darin zu einer Art Doppelrolle: Zum einen soll sichergestellt werden, dass sich jeder mit dem Internet verbinden kann und der Dienst auch jederzeit zur Verfügung steht. Zensur und Blockaden widersprechen somit den Zielen des Web-Gründers. Gleichzeitig soll der Vertrag aber auch eine neue Ära der Privatsphäre und des Datenschutzes einläuten.


Internet

Mehr als 80 Unterzeichner stehen hinter der Initiative

Wie dies aussehen könnte, zeigt Berners-Lee mit seiner Firma Inrupt. Diese hat einen Daten-Safe namens Solid entwickelt, bei dem die Nutzer gezielt Lese- und Schreibrechte gewähren können. Die Hoheit über die Daten würde damit von großen Konzernen wieder zurück zum Kunden wandern. Letztlich macht der Vertrag in diesem Punkt aber keine technischen Vorgaben. Solid ist nur ein möglicher Lösungsansatz. Die Unterzeichner verpflichten sich lediglich, das Thema Datenschutz und Privatsphäre im Netz zu verbessern. Selbiges gilt für den Kampf gegen „Fake News“ und Hass. Vorgestellt hat Berners-Lee seine Idee auf dem Web Summit in Lissabon Anfang des Monats. Inzwischen hat die Idee schon deutlich an Fahrt aufgenommen und es konnten mehr als 80 Unterzeichner gewonnen werden. Neuerdings gehört dazu nun auch die deutsche Bundesregierung.


Deutschland und Frankreich unterstützen das Projekt

Denn die Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär (CSU) und Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) unterschrieben den Vertrag stellvertretend für die gesamte Regierung. Sie beriefen sich vor allem darauf, dass bereits im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, bis zum Jahr 2025 einen Rechtsanspruch auf schnelles Internet festzuschreiben. Auch ein hohes Datenschutzniveau soll garantiert werden. Zuvor hatte sich bereits die französische Regierung der Initiative angeschlossen, ebenso große Internetkonzerne wie Google und Facebook. Bis zum Mai 2019 soll aus dem bisher vorliegenden Entwurf schließlich ein fertiger Vertrag werden. Organisiert wird der Prozess von der Web-Foundation, die Berners-Lee bereits im Jahr 2008 ins Leben rief. Der Erfolg der Initiative dürfte letztlich davon abhängen, wie ernst die Unterzeichner ihre Verpflichtungen wirklich nehmen.

Via: Bundesregierung

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