Der Patient trägt eine Handprothese. Plötzlich läuft eine Ameise über den Handrücken. Der Prothesenträger schaut sofort hin und erkennt: Keine Gefahr. Er hat das sanfte Krabbeln des kleinen Insekts gespürt. Genauso fühlt er, wenn ihn jemand streichelt oder Wind über seine Hand streicht. Denn das künstliche Gelenk in mit einer elektronischen Haut überzogen, in die unzählige Drucksensoren integriert sind. Diese sind so empfindlich, dass sie selbst die sanft trippelnden Ameisen registriert.


Noch fehlt die Anbindung ans Gehirn

Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Ningbo haben das dünne Sensibelchen entwickelt. Die Sensoren wandeln den auf ihnen lastenden Druck in elektrische Signale um, die ins Gehirn geleitet werden. Dort kommen die Größe der Kraft und der Ort auf dem Handrücken an, auf dem er lastet. So soll es jedenfalls mal werden. Die Anbindung ans Gehirn steht noch aus. Dieses Problem ist noch nicht gelöst, weil die Art und Stärke der Signale, die Druck ausüben, noch nicht klar ist.


Nobelpreisträger Grünberg stand Pate

Es hat schon viele Versuche gegeben, eine elektronische Haut zu entwickeln, auch erfolgreiche. Doch die der chinesischen Forscher ist die empfindlichste Version. Das resultiert aus dem Einsatz eines Materials, für das der mittlerweile verstorbene Jülicher Forscher Professor Peter Grünberg 2007 den Physiknobelpreis bekam: Dem Riesenmagnetowiderstand (GMR von giant magnetoresistance). Das Material mit dieser Eigenschaft hat die Kapazität von Festplatten vervielfacht. Das Team um Run-Wei Li platzierte auf der Polymerhaut kleine Magnete. Darunter befindet sich eine kleine Luftblase, die bei einer Berührung zusammengedrückt wird. Das aktiviert die dort abgeordneten GMR-Partikel, sodass der magnetische Fluss ansteigt. Dieser wird in ein elektrisches Signal umgewandelt.

Was noch zu verbessern ist

„Der Sensor ist äußerst sensibel“, sagt Nitish Thakor, Ingenieur für Biomedizin an der Johns Hopkins University in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland, der an der Entwicklung der E-Haut nicht beteiligt war. Zwei Dinge hat er dennoch zu bemängeln. Die Signale, die die Haut erzeugt, sei mit denen von Nerven nicht identisch. Außerdem seien die Sensoren mit einem Durchmesser von fünf Millimetern für den praktischen Einsatz zu groß. Es muss also noch weiter geforscht werden.

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