Kommentar. Schon seit Jahrzehnten geht ein Gespenst durch Deutschland. Gärten werden teilweise zu musealen Räumen: Enorm aufgeräumt, zurechtgestutzt, klinisch rein. Margariten und Löwenzahn stören, Gundermann wird ausgerupft, Butterblümchen müssen sterben. Der Rasen darf nur wenige Millimeter kurz sein und muss aussehen wie ein makelloser Teppich. Und wenn gar nichts mehr geht, kommen halt Unkrautvlies und Schotter zum Einsatz.


Foto: Yvonne Salmen
Foto: Yvonne Salmen

Das Leben kann hier kein Fuß mehr fassen

Auf Millimeterrasen und in Schottergärten fühlen sich nicht einmal Insekten wohl, Bienen und Käfer finden keine Nahrung. Es handelt sich um Grunde kaum noch um Natur, eher um zurechtgestutzte und konservierte Außenräume, die aus dem biologischen Kreislauf ausgeschieden sind. Ein paar Quadratmeter Schotterpiste machen sicher nicht viel aus, doch diese Flächen addieren sich zu kaum überschaubaren Summen, die für die ohnehin geschundene Natur einen großen Verlust darstellen. Dem deutschen Ordnungssinn kommen sie entgegen, das Leben jedoch kann kein Fuß mehr fassen.

Hummelfreunde und Igelfans lieben Laub und Wildkräuter

In Zeiten des Insekten- und Bienensterbens, der ausufernden Pestizid- und Herbizidnutzung, müssten Schottergärten und millimeterkurz gemähte Rasenflächen eigentlich richtig peinlich werden. Nicht diejenigen Gärten, die dem Wildkraut noch Existenzrecht einräumen und dessen Rasenfläche zwischendurch mal Wadenhöhe erreicht, sind ein Problem – ganz im Gegenteil: Sie gehören zu den letzten Horten der Natur in unseren Städten und Dörfern. Und meistens ist es gar nicht die vielbeschworene Faulheit des Gartenbesitzers, die dazu führt, dass hier und da ein kleines Durcheinander herrscht. Oft erfreuen sich diese Menschen eher an ihrem kleinen Paradies, beobachten gespannt, was dort wächst und gehören vielleicht noch zu den letzten unserer Spezies, die wissen, wie ein Gänseblümchenkranz zu flechten ist. Sie stellen Wassernäpfchen für Hummeln auf, lassen dem Igel jeden Abend eine Portion Katzenfutter zukommen und stapeln im Herbst das Laub, um dem stillen Gast eine Überwinterungsmöglichkeit zu geben. Kurzum: Sie teilen ihren Garten noch mit vielen anderen, buntgemischten Lebewesen. Und das sollte doch wirklich selbstverständlich sein.


Quelle: heise.de

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1 Kommentar

  1. L.Bagusch

    22. Juli 2019 at 13:12

    Die meisten Menschen haben vergessen oder haben unnötiges Wissen wie man mit der natur umgehen sollte !
    Für mich gibt es auch kein Unkraut, natürlich stören bzw. behindern solche Pflanzen das Wachstum des angepflanzten Gemüses.
    Und jeder Gartenbesitzer sollte sich eine Ecke aussuchen für ein Insektenhotel, denn es gibt viele nützliche Helferlein für den Garten und man erspart sich somit die unnötigen Gifte und Kunstdünger.
    Und da CO2 weiter in der Luft reduziert werden soll, dann sollte man öfters mal kohlensäurehaltiges Mineralwasser benutzen um das Gemüse zugiesen, denn Kohlensäure ist nunmal reines CO2.
    C02 benötigen nunmal die Pflanzen für ihr Wachstum und sondern durch Photosynthese Sauerstoff ab wie eigentlich jeder wissen sollte der in Biologie aufgepasst hat.
    😉

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