Als rund um das Jahr 1960 die meisten afrikanischen Staaten in die Unabhängigkeit entlassen wurden, verbanden viele Einwohner damit große Hoffnungen. Sie träumten von einem Leben in demokratischen und wohlhabenden Staaten. Heute muss konstatiert werden: Diese Ziele wurden in vielen Staaten noch immer nicht erreicht. Zahlreiche Bürger des afrikanischen Kontinents können etwa von fairen Wahlen nur träumen – immer wieder kommt es zu schweren Manipulationen. Die Schweizer Stiftung Agora will in diesem Punkt nun aber eine entscheidende Verbesserung implementieren: Dank der Blockchain-Technologie sollen die Wahlergebnisse transparent werden und dadurch fälschungssicher sein. Bei der Präsidentschaftswahl in Sierra Leone wurde dieser Ansatz nun erstmals erfolgreich getestet.


Sierra Leones Hauptstadt Freetown aus der Luft fotografiert. Foto: David Hond [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Viele Einwohner in Entwicklungsländern trauen den Behörden nicht mehr

Konkret wurden die einzelnen abgegebenen Stimmen auf einem Permissioned Ledger anonymisiert festgehalten. Dort mussten die Eintragungen von autorisierten Personen bestätigt werden und waren jederzeit öffentlich einsehbar. Da die Eintragungen im Nachhinein nicht mehr verändert werden können, kann sich so jeder Einwohner sicher sein, dass seine Stimme auch tatsächlich gezählt wird. Dies ist in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern ein nicht unwichtiger Punkt. Denn dort genießen die staatlichen Institutionen oftmals einen eher schlechten Ruf – was sich dann auch auf die Wahlbehörden überträgt. So gesehen bietet der Blockchain-Ansatz der Agora Stiftung tatsächlich die Chance, das Vertrauen in die Demokratie massiv zu steigern. Durch die dezentrale Struktur der Technologie sind zudem Hacker-Angriffe – anders als bei klassischen Wahlcomputern – nur schwer möglich.

Die Technologie soll zukünftig weltweit zum Einsatz kommen

Allerdings wurde die Technologie zunächst nur im Westen Sierra Leones eingesetzt. Denn es handelte sich in erster Linie um ein Projekt, das die Funktionsfähigkeit der Blockchain bei demokratischen Wahlen unter Beweis stellen sollte. Für die Zukunft allerdings hat die Agora Stiftung große Pläne. Sie will die Technologie in zahlreichen weiteren Schwellen- und Entwicklungsländern zum Einsatz bringen und auch dort den Menschen das Vertrauen in faire Wahlen zurückgeben. Einsatzorte dafür gibt es weltweit leider genug. Erst gestern wurde etwa die russische Präsidentschaftswahl von schweren Manipulationsvorwürfen überschattet. Aber auch in gut funktionierenden Demokratien könnte die Technologie einen Vorteil mit sich bringen: Der Papierverbrauch wird massiv gesenkt.

Via: Techcrunch


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