Auf dem internationalen Kunstmarkt werden teilweise abenteuerliche Summen für Bilder berühmter Künstler geboten. Dies hat aber schon immer auch Betrüger auf den Plan gerufen: Mit teilweise hochkomplexen Fälschungen wird regelmäßig versucht, potentielle Käufer zu betrügen. Insbesondere bei historischen Werken spielt den Fälschern eine Besonderheit in die Karten: Oftmals können selbst Experten nur schwer bestimmen, ob es sich tatsächlich um ein Original handelt.


Wissenschaftler der Rutgers University in New Jersey wollen zukünftig auf Nummer sicher gehen. Statt renommierter Experten soll dann im Zweifel ein schlauer Algorithmus befragt werden. Bei Strichzeichnungen von Pablo Picasso, Henri Matisse und Egon Schiele hat die KI bereits eine fast perfekte Trefferquote unter Beweis gestellt.

300 Strichzeichnungen wurden in 800.000 einzelne Striche zerlegt

Wirkliche Kunstexpertise steckt da aber natürlich nicht dahinter. Vielmehr zerlegt der Algorithmus die Zeichnungen in einzelne Striche und analysiert diese. Liegen nun beispielsweise ausreichend sichere Originale von Picasso vor, kann die KI so erlernen, wie ein typischer Strich des spanischen Malers aussieht. Soll dann eine weitere Strichzeichnung analysiert werden, kann der Algorithmus genau sagen, ob die Striche ebenfalls von Picasso gemacht wurden oder nicht. Insgesamt kamen von allen drei Malern 300 Zeichnungen zum Einsatz, die in 800.000 einzelne Striche zerlegt wurden. Dies zeigt schon: Der Ansatz kann nur bei Künstlern verwendet werden, von denen bereits ein ausreichend großes Gesamtwerk vorliegt.

Bei Gemälden ist die künstliche Intelligenz noch überfordert

Auch aus einem anderen Grund könnten Kunstfälschungen trotz des neuen Algorithmus noch lange nicht der Vergangenheit angehören: Der Ansatz funktioniert bisher nur bei Strichzeichnungen. Gemälde hingegen können nicht analysiert werden, weil sich dort die einzelnen Pinselstriche nicht so leicht identifizieren lassen. Allerdings haben die beteiligten Forscher bereits angekündigt, zukünftig weitere Kunstwerke genauer unter die Lupe nehmen zu wollen. Als nächstes soll der Algorithmus beispielsweise mit Werken von Impressionisten und anderen Künstlern des 19. Jahrhunderts üben. In jedem Fall handelt es sich um einen interessanten Ansatz, um ein Jahrhunderte altes Problem zu lösen und Kunstfälschern das Handwerk zu legen.


Via: Technology Review

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