Ghana war eines der ersten Länder, das die Milleniumsziele der Vereinten Nationen in Sachen Armutsbekämpfung erreichte. Während einstmals mehr als die Hälfte der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze lebten, waren es im Jahr 2013 nur noch 24 Prozent. Eine beeindruckende Verbesserung. Doch als Statistiker sich die Daten etwas genauer ansahen, entdeckten sie einen Wermutstropfen. Denn in einigen Regionen lag der Wert noch immer bei über 90 Prozent. Offenbar hatte die positive Entwicklung nicht flächendeckend eingesetzt. Daraus wiederum zog die ghanaische Regierung den Schluss, zukünftig mit noch genaueren Daten operieren zu müssen. Im nächsten Jahr soll daher ein Zensus stattfinden, bei dem die Bevölkerung des Landes bis ins Detail erfasst werden soll.


Bild: The Central Intelligence Agency (gemeinfrei)

Jeder einzelne Einwohner wird befragt und erfasst

Dafür setzt die Regierung auf moderne Technologien. So werden die Interviewer mit Tablets ausschwärmen und die Antworten direkt digitalisieren. Eine Software im Hintergrund wird die Eingaben in Echtzeit auf ihre Plausibilität prüfen. Mithilfe von Satellitenbildern soll sichergestellt werden, dass auch tatsächlich alle Behausungen erfasst werden. Zudem müssen die Interviewer auch nachts losziehen und die auf der Straße schlafenden Menschen wecken. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass auch die sonst unsichtbaren Personen, die keinen festen Wohnsitz haben, zukünftig in der Statistik auftauchen. Vereinfacht werden soll die Erfassung dieser Personen durch ein digitales Adresssystem. Übergeordnet gilt das Prinzip: Es darf keine Person geben, die nicht erfasst wurde.

Die Mittel können anschließend gezielt eingesetzt werden

Alles in allem wird die Volkszählung 84 Millionen Dollar kosten. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es noch lediglich 54 Millionen Dollar. Doch das Geld dürfte gut angelegt sein. Denn der datengetriebene Ansatz erlaubt es, die Hilfsmaßnahmen im Kampf gegen die Armut deutlich effizienter zu gestalten. Die Unterstützung muss dann nicht mehr großflächig nach dem Gießkannenprinzip erfolgen, sondern kann gezielt dort ansetzen, wo tatsächlich Probleme existieren. In Ghana hofft man, so die Zahl der Menschen unterhalb der Armutsgrenze weiter stark reduzieren zu können. Viele andere Länder in Westafrika beobachten das Experiment zudem mit großem Interesse. Sollte sich der Ansatz in Ghana als erfolgreich erweisen, dürften schon bald weitere Länder in der Region folgen.


Via: Vox

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