Der Essenslieferdienst Delivery Hero ist in gewisser Weise eine Art Indikator für den Zustand der deutschen Startup-Szene. Lange Zeit handelte es sich um das wichtigste Investment von Rocket Internet – das schließlich äußerst erfolgreich an die Börse gebracht wurde. Dort stieg der Aktienkurs innerhalb weniger Monate um mehr als 15 Euro. Im Fahrwasser dieses Erfolges gelang dann unter anderem auch bei Hello Fresh und Home24 ein erfolgreiche Erstnotierung. Bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen überraschte Firmenchef Niklas Östberg die Anleger nun aber mit einer schlechten Nachricht: Anders als geplant wird das Unternehmen im nächsten Jahr noch nicht profitabel sein. Als Grund dafür benannte der Firmenlenker zusätzliche Investitionen in Höhe von 80 Millionen Euro.


Die Gelegenheit für Investitionen scheint günstig zu sein

Das Geld soll zum einen in die Verbesserung der hinter der Plattform stehenden Technologie fließen. Auch ist geplant, weitere Restaurants für eine Zusammenarbeit zu gewinnen und so das eigene Angebot zu verbreitern und zu verbessern. Vor allem sind aber auch weiter hohe Ausgaben im Marketingbereich vorgesehen. Dadurch soll das Wachstum weiter angekurbelt werden. Im ersten Halbjahr dieses Jahres kam Delivery Hero auf einen Umsatz von 357 Millionen Euro. Östberg betonte, dass der Markt weiter stark wachse und es sich daher um eine günstige Gelegenheit für zusätzliche Investitionen handle. Tatsächlich ist es in der Regel günstiger Kunden direkt neu zu gewinnen als sie später von Wettbewerben abzuwerben. Beobachter vermuten allerdings, dass dies nur die halbe Wahrheit ist.


Delivery Hero zieht sich aus vier Märkten zurück

Denn insbesondere in Europa wird Delivery Hero durch den kleineren niederländischen Konkurrenten Takeaway.com unter Druck gesetzt. Auch deshalb macht das Unternehmen inzwischen im Nahen Osten mehr Umsatz als auf dem europäischen Heimatmarkt. Östberg hat sich nun offenbar für eine Art Doppelstrategie entschieden. Zum einen wird der Lieferdienst seinen Service in Italien, Australien, Frankreich und den Niederlanden zeitnah verkaufen oder einstellen. Auf den anderen Märkten sollen die ausgeweiteten Marketingausgaben hingegen dafür sorgen, dass der Marktanteil von Delivery Hero weiter steigt – oder zumindest nicht sinkt. Es wird spannend sein, zu beobachten, ob diese Maßnahmen den gewünschten Erfolg haben werden. Die Anleger jedenfalls sind skeptisch: Der Aktienkurs sank um sechs Prozent. Takeaway.com hingegen konnte nach der Präsentation der eigenen Zahlen  einen Kursanstieg verzeichnen.

Via: Delivery Hero

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