Kundenbefragungen über neue Produkte sind in der Geschäftswelt umstritten. Henry Ford beispielsweise wird folgendes Bonmot zugeschrieben: „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“ Auch Apple-Gründer Steve Jobs war ein Anhänger dieser Devise. Die Geschichte des Tampons allerdings zeigt, dass es durchaus Sinn machen kann, die Kundinnen nach ihren Wünschen zu befragen. Denn die moderne Form des Tampons entstand, als Lillian Gilbreth 1920 eine entsprechende Befragung unter Frauen durchführte und die Ergebnisse durch den Konzern Johnson & Johnson umgesetzt wurden. Wie gut die Erfindung war, zeigt sich an der Tatsache, dass das grundlegende Funktionsprinzip bis heute beibehalten wurde.


Bild: Daniel Case - CC BY-SA 3.0
Bild: Daniel Case – CC BY-SA 3.0

Ein Gerät aus dem 3D-Drucker übernimmt die Analyse

Doch nach mehr als neunzig Jahren könnten Tampons nun eine enorme Funktionserweiterung erfahren. Denn die Wissenschaftlerin Ridhi Tariyal kam mit ihrem Kollegen Stephen Gire auf die Idee, dass das von einem Tampon aufgesaugte Blut jede Menge Informationen enthält. Mehr noch: Die Analysetechnik ist dabei inzwischen soweit, dass die Proben ganz einfach zu Hause ausgewertet werden können. Mit Hilfe eines 3D-Druckers konstruierten sie dabei ein Gerät, das anhand des Bluts Geschlechtskrankheiten wie eine Chlamydieninfektion  diagnostizieren konnte. Dies wäre ein erheblicher Fortschritt, da die Krankheit oft ohne Symptome verläuft, daher unerkannt bleibt und letztlich zur Unfruchtbarkeit führen kann.

Zusammen mit dem Harvard Lab soll ein marktreifes Produkt entwickelt werden

Zwischendurch dachten sie auch darüber nach, einfach einen Chip in den Tampon zu integrieren – nahmen von dieser Idee aber wieder Abstand. Stattdessen arbeiteten sie mit der Leiterin des Harvard Lab, Pardis Sabeti, zusammen und entwickelten ihr Analysegerät weiter. Neben dem Blut werden nun auch Zellen aus dem Uterus untersucht. Diese können beispielsweise Aufschluss geben über Krebserkrankungen im Frühstadium oder eine Veränderung der Fruchtbarkeit. Erste Prototypen arbeiten dabei bereits recht erfolgreich. Mit Hilfe des renommierten Harvard Lab soll es nun gelingen, ein marktreifes Gerät zu entwickeln und einen Vertriebspartner zu finden.


Via: New York Times

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