Einige Beobachter sprechen von der größten bilateralen Kooperation in der Weltraumforschung überhaupt: Am Samstag ist das in Deutschland entwickelte Röntgenteleskop eRosita erfolgreich in Richtung All gestartet. Transportiert wird die wertvolle Fracht von einer russischen Proton-Rakete. Neben eRosita befindet sich zudem auch noch ein Teleskop aus russischer Produktion an Bord. Gemeinsam wollen die Forscher aus beiden Ländern nach sogenannten Galaxiehaufen Ausschau halten. Dabei handelt es sich um eine Vielzahl von Galaxien, die durch die Schwerkraft zusammen gehalten werden. Diese Haufen wiederum bestehen zum Teil aus 100 Millionen Grad heißem Gas, das Röntgenstrahlen aussendet. Mithilfe von eRosita sollen diese Strahlen nun eingefangen und analysiert werden. Im Idealfall ergibt sich daraus ein Blick in die Vergangenheit des Universums.


Bild: P. Friedrich / MPE

Die Expansion des Weltraums kann beobachtet werden

Denn wenn die Galaxiehaufen weit entfernt im All liegen, benötigen die Strahlen schon einmal mehrere Milliarden Jahre, bevor sie die Spiegel des Röntgenteleskops erreichen. Somit können hier Daten aus längst vergangenen Zeiten gewonnen werden. Die Forscher hoffen, so beispielsweise das Zusammenspiel zwischen der Expansion des Universums und der Dunklen Materie besser zu verstehen. Bisher ist lediglich bekannt, dass sich das Universum immer weiter ausdehnt und das die Dunkle Materie dafür verantwortlich ist. Warum es aber genau zu der immer stärkeren Ausdehnung kommt, kann bisher nicht erklärt werden. In letzter Zeit gab es einige Forschungsergebnisse, die darauf hindeuteten, dass die Dunkle Materie im Verlauf der Geschichte immer stärker wird. Dies widerspräche zwar dem aktuell gültigen Standardmodell des Universums – könnte durch die Daten von eRosita nun aber bestätigt werden.

Die Kameras werden auf minus neunzig Grad herabgekühlt

Zusätzlich wollen die Forscher das Weltall kartografieren. Am Ende soll dann eine Himmelskarte veröffentlicht werden, die zeigt, wie sich das Universum im Laufe der Geschichte ausgedehnt hat. Insgesamt wird das Teleskop den Raum daher siebenmal absuchen, um auch wirklich nichts zu übersehen. Im Gegensatz zu Missionen aus der Vergangenheit wird eRosita auch nicht um die Erde kreisen, sondern um die Sonne rotieren. Das Ziel wurde bewusst ausgewählt, weil das Teleskop dort besonders gut vor Sonnenstrahlen geschützt werden kann. Dadurch ist es einfacher, die Kameras auf minus neunzig Grad abzukühlen – was notwendig ist, um eine möglichst hohe Empfindlichkeit zu gewährleisten. Ausgewertet werden die Daten von einer in Deutschland entwickelten Software. Dabei herrscht allerdings eine strenge Arbeitsteilung. Die russischen Forscher kümmern sich um die Daten aus der Osthälfte, während die deutschen Wissenschaftler die Westhälfte bearbeiten.


Via: Max-Planck-Institut

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