Verspätungen im Zugverkehr sind immer ärgerlich. Oft liegen sie an betrieblichen Gründen, aber in den letzten Jahren kam es auch häufiger zu Verspätungen, die durch schlechtes Wetter ausgelöst wurden. Wenn umgestürzte Bäume auf den Gleisen liegen oder Oberleitungen niederreißen, sind Verspätungen vorprogrammiert. Die Deutsche Bahn hat nun einen Aktionsplan vorgelegt, mit dem solche Verspätungen verhindert werden sollen. Dabei kommt auch moderne Technik zum Einsatz.


Foto: LVT771 at de.wikipedia (Own work) [CC BY-SA 2.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Sturmschäden in zweistelliger Millionenhöhe

Insbesondere größere Stürme können massive Auswirkungen auf den Bahnverkehr haben. In der jüngeren Vergangenheit kam es häufiger vor, dass der Verkehr auf den Gleisen in weiten Teilen der Bundesrepublik sogar vollkommen stillstand. Tausende gestrandete und verärgerte Reisende sind die Folge.

Die Deutsche Bahn hat kürzlich einen „Aktionsplan Vegetation“ verabschiedet, mit dem diese Verspätungen minimiert werden sollen. Unter anderem setzt sie dabei Drohnen mit Multispektralkameras ein, um die Baumgesundheit zu ermitteln. Kranke Bäume bergen ein viel größeres Entwurzlungs-Risiko bei einem Sturm. Gesunde Blätter reflektieren Infrarotlicht, was den Spezialisten von der Bahn zeigt, dass bezüglich dieser Bäume erst einmal nichts unternommen werden muss.


Ein robuster und widerstandsfähiger Wald ist der Bahn Millionen wert. Bereits seit 2007 werden pro Jahr 100 Millionen Euro für die Pflege und Kontrolle des gleisnahen Pflanzenbestandes bereitgestellt. Im Rahmen des Aktionsplans kommen nun in den kommenden fünf Jahren pro Jahr 125 Millionen hinzu. Durch schwere Stürme erlitt die Deutsche Bahn allein im Jahr 2017 Schäden im zweistelligen Millionenbereich, der Bahnverkehr lag auf manchen Strecken tagelang still.

Waldbetreuung am Boden und in der Luft

Nach Angaben der Bahn gäbe es zwar nicht mehr Stürme als früher, aber dennoch hätten die Störfälle durch Extremwetter zugenommen. Insbesondere die Kombination von Naturereignissen sei es, die zu Störfällen führt. Die Bahn sieht akuten Handlungsbedarf und möchte den Aktionsplan auf Strecken, die nicht einfach umfahren werden können, möglichst schnell umsetzen.

Die Überwachung der Waldbestände mittels Drohnen sei dabei ein wichtiger Faktor, der zusätzlich zu der Betreuung der Wälder durch Bahnförster zusätzliche Informationen liefert. Am Boden sorgen die Förster dann durch Rückschnitte und Durchforstung dafür, dass der Wald sich zwar natürlich entwickeln kann, aber dabei so sturmsicher wie möglich bleibt.

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

1 Kommentar

  1. Matthias Paschke

    16. Mai 2018 at 19:53

    Sorry, Baumbeschneidungen sind MITNICHTEN das große Problem, das zu Verspätungen und damit verbundener Unattraktivität der Bahn führt.
    Hauptursachen für fehlende Attraktivität der Bahn sind:

    – Gleichzeitige Nutzung von Personen- und Güterverkehr bei gleichzeitger Erhöhung der Zugfrequenz bis über den Grenzbereich das Machbaren
    – Keine echten Schnellstrecken nach dem Vorbild Shinkansen oder TGV. Solche Strecken haben grundsätzlich KEINE Beschrankungen und benutzen grundsätzlich ein eigenes Gleisbett. Züge können ungebremst durchfahren. Die berüchtigten Zusammenstöße an Bahnübergängen fallen damit auch weg. Nicht nur Personen, sondern auch Güter könnten auf solchen Strecken z.B. von Italien in die Niederlande transportiert werden.
    – Häufig eingleisige Strecken, die bei Problemen in einer Richtung gleichzeitig auch die andere Richtung blockieren.
    – Was sind zweistellige Millionenbeträge für Baumbeschneidungen angesichts der überbordenen Multimilliardenüberziehungen bei Bahnhofsbauten ala Stuttgart21 oder Hauptbahnhof Berlin?
    – Der ICE-T (Neigetechnik) war leider – genauso wie der ICE-4 (mit auf 200 km/ herabgesetzter Höchstgeschwindigkeit) – eine Fehlentwicklung, die wenig bis gar nichts zur Erhöhung der Attraktivität der Bahn beigetragen haben.
    – Ein fehlendes Hub-And-Spoke-System basierend auf Schnellstrecken, auf denen Züge zwischen WIRKLICH wichtigen Bahnhöfen verkehren. Man braucht keinen ICE-Halt in der Pampa. Laßt die Landesfürsten nicht wirtschaftliche bedeutsame Entscheidungen, die bei der Planung der erzwungenen und zeitmässig sehr stark behindernden Zwischenstopps EINDEUTIG zur mangelnden Attraktivität beigetragen haben, das Schicksal der Bahn bestimmen. Wichtige Knotenpunkte für ein solches System sind Hamburg (nördlichste Millionenstadt, größter Binnenhafen, bedeutender Industriestandort), Köln (zentraler Knotenpunkt inkl. Anbindung an den internationalen Zugverkehr), Frankfurt (größter Flughafen innerhalb Deutschlands), München (südlichste Millionenstadt, Oktoberfest, beeutender Industriestandort und Startpunkt für Urlaubsreisen in die Alpen) oder Berlin (Hauptstadt und außerdem zentral gelegene Stadt im Osten Deutschlands).

    Baumbeschneidungen mögen zwar bei Orkanen die Fahrten etwas kürzer – dank wenig bis gar keinen Blockaden – machen, aber die eigentlichen Gründe für die Verspätungen und Unattraktivität der Bahn liegen GANZ woanders.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.