Langfristig möchte Deutschland alle Kohlekraftwerke abschalten. Ein konkretes Ausstiegsjahr wurde auch bereits beschlossen: Ab dem Jahr 2038 soll Kohle als Energieträger hierzulande ausgedient haben. Zuvor allerdings stehen noch zähe Verhandlungen an. Denn der Staat muss sich mit den betroffenen Unternehmen auf einen Zeitplan verständigen und über Entschädigungszahlungen einigen. Vor diesem Hintergrund ist es recht interessant, dass sich die Kohle ohnehin schon auf dem Rückzug zu befinden scheint. Denn im Jahr 2019 ging der Gesamtverbrauch an Braun- und Steinkohle in Deutschland um jeweils rund ein Fünftel zurück. Dies geht aus Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor. Braunkohle deckt somit noch rund 19 Prozent des Strombedarfs hierzulande, während die Steinkohle sogar nur auf einen Wert von neun Prozent kommt.


Von Philip May - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link
Von Philip MayEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Der Emissionshandel scheint langsam zu funktionieren

Anteile gewonnen haben hingegen vor allem zwei andere Formen der Stromerzeugung. Zum einen ist die Windkraft erstmals der wichtigste Energieträger in Deutschland – und steht für 21 Prozent des Strommixes. Allerdings befindet sich die Branche aktuell in der Krise. Der Bau neuer Anlagen an Land ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Weitere große Zuwächst sind daher kurzfristig nicht zu erwarten. Stattdessen waren es vor allem Gaskraftwerke, die im Jahr 2019 überdurchschnittlich viel Strom produziert haben. Dahinter steckt der sogenannte Emissionshandel. Kraftwerke in Deutschland müssen für jede ausgestoßene Tonne CO2 ein Zertifikat erwerben. Werden dadurch mehr Zertifikate benötigt als vorhanden sind, müssen die Unternehmen entsprechende Verschmutzungsrechte zukaufen. Dies gilt als Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. Lange Zeit wurde der Mechanismus allerdings eher belächelt, weil zu viele Zertifikate auf dem Markt waren. Dementsprechend niedrig waren die Kosten für die Unternehmen.

Gaskraftwerke ersetzten einen Großteil der Kohle-Verstromung

Inzwischen wurde die Menge aber merklich verknappt, was alleine im letzten Jahr einen Preisanstieg von rund zehn Euro zur Folge hatte. Dies reichte schon aus, um die – im Vergleich zur Kohle – klimafreundlicheren Gaskraftwerke an Attraktivität gewinnen zu lassen. Kombiniert mit niedrigen Gaspreisen auf dem Weltmarkt sorgte dies für einen Umschwung von der Kohle hin zum Gas. Der Finanzminister dürfte sich über die Entwicklung zudem auch erfreut zeigen. Denn der Bund nahm durch die Versteigerung der CO2-Zertifikate rund drei Milliarden Euro ein. Das Geld fließt nun in einen Klimafonds. Einige Stimmen in der Politik fordern zudem bereits, den Zertifikatehandel auch auf weitere Branchen auszuweiten. Alternativ wäre auch die Einführung einer allgemeinen CO2-Steuer – ähnlich wie in der Schweiz – denkbar.


Via: Handelsblatt

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