Zahlreiche Diabetes-Patienten müssen sich regelmäßig Insulin spritzen. Für die Betroffenen ist das eine deutlicher Belastung. Könnten sie statt sich eine Spritze zu verabreichen einfach eine Tablette nehmen, würde das das Leben der Betroffenen deutlich erleichtern. Forscher haben nun eine entsprechende Pille entwickelt. Angeblich soll diese sogar kostengünstig produziert werden können.


Spritze mit zwei Tropfen
Foto: Syringe With 2 Drops, ZaldyImg, Flickr, CC BY-SA 2.0

Tabletten statt Spritzen

In Deutschland leben aktuell etwa sechs Millionen Menschen mit Diabetes mellitus. Viele dieser Patienten müssen ihren Blutzuckerspiegel permanent im Blick behalten und im Zweifelsfall mit einer Insulinspritze regulieren. Letzteres ist nicht gerade angenehm. Wissenschaftler vermuten, dass viele Diabetes-Folgeerkrankungen verhindert werden könnten, wenn die rechtzeitige Medikamentengabe nicht durch Angst vor Spritzen oder Schmerz oder einfach einem stressigen Alltag verhindert werden würde.

Für Betroffene wäre es also nicht nur angenehmer, sondern auch objektiv sinnvoller, wenn sie ihr Insulin oral als Tablette einnehmen könnten. Aber so einfach ist das nicht. Die Entwicklung solcher Tabletten ist problematisch, da das Insulin spätestens im Magen von der Magensäure zersetzt würde. Und selbst wenn es den Magen unbeschadet übersteht, ist der tatsächliche Transport von Insulin aus dem Darm in den Magen minimal. Einem Team rund um Samir Mitragotri von der Harvard University ist es nun gelungen, eine neue Insulintablette zu entwickeln, die all diese Hürden überwindet.


Tabletten sind vor der Magensäure geschützt

Damit die Magensäure das Insulin nicht zersetzt, haben die Forscher die Tablette mit einer säurefesten Schicht überzogen, die sich erst in der alkalischen Umgebung des Dünndarms auflöst. Eine zweite Schicht aus Cholin und Geraniumsäure verhindert dann, dass das Insulin dort zerlegt wird und hilft ihm, durch die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf zu gelangen. Versuche mit Zellkulturen sowie mit Ratten zeigten, dass die Insulintabletten sich merkbar auf den Blutzuckerspiegel auswirkten.

Auch anderen Forschergruppen gelang es bisher, mit Insulintabletten zu experimentieren. Deren Produktion stellte sich aber immer als nicht wirtschaftlich heraus. Die Tabletten von Mitragotris Team können aber angeblich sehr einfach und günstig hergestellt werden, sodass die Massenproduktion wirtschaftlich umsetzbar sei. Die Tabletten können außerdem bei Raumtemperatur problemlos zwei Monate lang gelagert werden – das ist länger als manch eine Insulin-Injektion, die aktuell auf dem Mart erhältlich ist. Das Präparat soll nun in Tierstudien weiter erforscht werden, um Erkenntnisse über die Langzeitverträglichkeit und die Bioverfügbarkeit zu sammeln. Anschließend sind die Tabletten bereit für klinische Studien.

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