Die Verleihung der Golden Globes in der vergangenen Nacht verlief für Netflix eher enttäuschend. Insgesamt waren Produktionen des Streaming-Dienstes 34 Mal nominiert. Letztlich erhielten sie aber nur zwei Auszeichnungen. Diesen Rückschlag dürfte das Unternehmen allerdings verkraften können. Wirklich von Bedeutung sind ohnehin nur die deutlich prestigeträchtigeren Oscars. Auf einem anderen Feld droht Netflix in diesem Jahr allerdings deutlich mehr Ungemach. Denn die etablierten Medienkonzerne wollen nicht länger untätig zuschauen, wie immer mehr Zuschauer in Richtung Streaming abwandern. Stattdessen bringen sie – namentlich Disney, Comcast und HBO – eigene Angebote auf den Markt und setzen so die Branchenführer unter Druck. Für Netflix ist diese Entwicklung aus zwei Gründen problematisch:


Netflix Remote
Foto: Netflix, Brian Cantoni, Flickr, CC BY-SA 2.0

1. Der Streaming-Dienst verliert wertvolle Inhalte: Netflix wurde auch deshalb so erfolgreich, weil es dem Unternehmen gelang, beinahe alle relevanten Filmkataloge im eigenen Angebot zu vereinen. Nun aber setzen immer mehr Rechteinhaber auf den eigenen Vertrieb. So wird Disney nicht nur die legendären Zeichentrick-Klassiker auf dem eigenen Streaming-Dienst zeigen, sondern beispielsweise auch alle Filme des Star-Wars-Universums. HBO Max wiederum setzt unter anderem auf die DC Comics und Game of Thrones. Und Comcast kann unter anderem die Jurassic Park Filme und die „Fast and the Furious“-Franchise exklusiv anbieten. Netflix wird zwar auch zukünftig das mit Abstand breiteste Angebot bieten – einige Perlen werden aber fehlen.

2. Die Preise geraten unter Druck: Zu Beginn punktete Netflix zudem mit einem sehr günstigen monatlichen Festpreis. Inzwischen musste dieser allerdings angehoben werden. Die neuen Wettbewerber hingegen setzen auf Kampfpreise. So kostet Disney+ in den Vereinigten Staaten lediglich 6,99 Dollar. Die meisten Netflix-Kunden zahlen hingegen 12,99 Dollar – und damit fast doppelt so viel. Auch einige andere neue Anbieter sind deutlich günstiger. Apple TV+ mit ausschließlich selbst produzierten Serien kostet beispielsweise sogar nur 4,99 Dollar. Die kalifornische Investment-Firma Wedbush schätzt, dass rund zehn Prozent der Netflix-Kunden abwandern könnten. Dies wären insgesamt rund 16 Millionen Menschen.


Das Kundenwachstum dürfte geringer ausfallen als früher

Hinzu kommt: Auch von den erstmaligen Nutzern eines Streaming-Angebots dürften sich zukünftig deutlich weniger für Netflix entscheiden. Das angepeilte Ziel von 200 Millionen Nutzern am Ende des Jahres 2020 dürfte deshalb nur schwer zu erreichen sein. Auf der anderen Seite entwickelt sich Disney+ besser als ursprünglich gedacht. So wird erwartet, dass der Dienst bis Ende dieses Jahres auf rund 50 Millionen Nutzer kommen wird. Das Ziel von 60 bis 90 Millionen Kunden bis zum Jahr 2024 dürfte daher schon deutlich früher erreicht werden. Für die Kunden ist diese Entwicklung ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite müssen sie nun mehr Angebote abonnieren, um wirklich alle gewünschten Filme und Serien sehen zu können. Auf der anderen Seite sorgt der Konkurrenzkampf aber auch dafür, dass die Anbieter noch mehr Geld in hochwertige Eigenproduktionen investieren.

Via: The Guardian

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