Wenn Generalmajor Charles Bolden spricht, dann hört man zu. Der 69-jährige ist der oberste Kopf der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA und ehemaliger Astronaut, der auf insgesamt vier Missionen war. Und er ist es, dem zum größten Teil das erste wirklich fest gesteckte Ziel der NASA seit der Landung auf dem Mond zu verdanken ist: Menschen zum Mars zu bringen. Wenn die ersten Menschen in den 2040er Jahren das erste mal den roten Planeten betreten, wird Bolden wohl tot sein. Aber dennoch wird er es sein, dem die Marslandung zu großen Teilen zu verdanken sein wird. Seit den Apollo-Missionen war die NASA nicht mehr so sehr vereint in dem Versuch, ein bestimmtes Ziel zu erreichen.


Bild: NASA
Bild: NASA

Der Traum vom roten Planeten

Bolden wählt starke Worte, um zu erklären, warum er die Erschließung des roten Planeten zum obersten Ziel seiner Behörde machte: “Getting humans to Mars gives us the ability and the knowledge that we can comfortably move to another place in the Solar System should Earth become uninhabitable some day. While it won’t save us when the Sun finally collapses [in 5 billion years], the journey to Mars will be the precursor for interplanetary and, way down the road, intergalactic travel.

Als oberster Kopf der NASA ist Bolden sowas wie der CEO der Behörde. Für die Entscheidung, den Mars zum obersten Ziel seiner Behörde zu machen, erntete Bolden einiges an Kritik. Er selber zweifelt aber nicht an seiner Wahl. Die Eckpfeiler der Bemühungen um eine erfolgreiche Mars-Mission der NASA unter Bolden ist die Entwicklung einer gewaltigen Trägerrakete, dem Space Launch System (SLS), und einer bemannten Kapsel namens Orion. „Do I think we’re at the point of no return? Not quite. To stop now and turn around, and go back and say okay, let’s think about another place we want to go, let’s think about focusing on lunar exploration and just take a hiatus there, I think it would be disastrous, personally“, erklärt Bolden gegenüber den Kollegen von IFLScience.


Outsourcing von NASA-Missionen

Um seine Behörde zu entlasten und die Konzentration auf den roten Planeten zu ermöglichen, versucht Bolden zunehmend, erdnahe Missionen im Orbit des Planeten über das sogenannte Commercial Crew Program an private Unternehmen auszulagern. Ganz weit vorne mit dabei ist Elon Musks Unternehmen SpaceX sowie der Flugzeughersteller Boeing. Beide haben Verträge mit Volumina von mehreren Millionen US-Dollar von der NASA erhalten, um bemannten Raumfahrzeuge zu entwickeln. Die beiden Projekte Crew Dragon (SpaceX) und der CST–100 Starliner (Boeing) sollen 2017 zum Jungfernflug starten.

Bolden ist entschlossen, von erdnahen Missionen bald zu Missionen im tieferen Weltall überzugehen. Dazu sollen möglicherweise sogar Außenposten auf dem Mond erschlossen werden. Die Lücke, die die NASA in den Missionen in Erdnähe hinterlassen würde, kann nach Bodens Ansicht von privaten Unternehmen getragen werden: “The void of operating and running low-Earth orbit will be filled by commercial space. Somebody’s got to stay behind to mind the fort, to take vehicles as they come to low Earth orbit, for staging as they go on to the Moon and then onto Mars, and that somebody will be commercial and entrepreneurial entities, maybe even universities.

SpaceX Animation
SpaceX Animation

Zusammenarbeit mit Russland

Unter Bolden hat die NASA sich auch in bisher beispielloser Art und Weise an die russische Weltraumbehörde Roscosmos angenähert. Während sich die Regierungen der USA und Russlands weiterhin nicht besonders gut verstehen betreiben die beiden Behörden in friedlicher Zusammenarbeit die Internationale Raumstation ISS. Seit Einstellung des Spaceshuttle-Programms sind es weitestgehend russische Soyuz-Kapseln, die amerikanische Astronauten vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan zur ISS bringen.

Our relationship with Russia right now is tenuous. Our relationship with Roscosmos is beautiful. The way we cooperate with them, the way we train with them in Houston and Moscow and Star City, we launch out of Baikonur, that’s the model that you want for the future of humanity” , so Bolden.

Bolden denkt insgesamt in globalen Maßstäben. Für ihn sind auch die zukünftigen Marsmissionen globale Unterfangen, an denen neben Europa und Russland auch Länder wie China oder Indien beteiligt werden sollen.

Die Suche nach extraterrestrischen Leben

Auch die Suche nach Leben im All ist ein wichtiger Punkt bei der NASA unter der Leitung von Bolden. Kommende Missionen wie der Mars 2020 Rover und die Europa Flyby Mission soll die Menschheit näher an die Entdeckung außerirdischen Lebens bringen als je zuvor, während Projekte wie das Kepler Space Teleskop auch hinter den Grenzen unserer Galaxis nach Zeichen von Leben suchen sollen.

We’re oh so close [to finding life]! A tremendous discovery was that of flowing water, ice though it may be, very briny water, on the surface of Mars. We’re talking about microbial life, we’re not talking about people walking around. We’re talking about the very foundation of life itself. There are people who believe we will find life in the ocean of Europa, a moon of Jupiter, or in the ocean of Enceladus, a big moon of Saturn, both of which have geyser-like activity where water goes hundreds of meters in the air, erklärt Bolden zu dem Thema.

Boldens Vermächtnis für die Zukunft

Es gibt keine festgelegten Amtszeiten in der Administration der NASA. Bolden wird also im Amt bleiben, bis er sich dazu entscheidet, in den Ruhestand zu gehen oder ein neuer US-Präsident sich dazu entscheidet, ihn zu ersetzen. Bolden betonte mehrfach, dass er keine politische Agenda habe und bereit sei, mit Regierungen unter beiden Parteien in den USA, also Demokraten und Republikanern, zusammenzuarbeiten.

Auch wenn Bolden nicht mehr an der Spitze der NASA stehen wird, wenn Menschen auf dem Mars landen, so wird er doch für seine Leistungen zum Erreichen dieses Ziels in Erinnerung bleiben.

Charles Bolden im Gespräch mit IFLScience

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