Die Fahrt mit dem eigenen Auto nach Italien wurde in Deutschland zu einem Symbol für das Wirtschaftswunder in der noch jungen Bundesrepublik. Groß geändert haben sich die Gewohnheiten nicht: Bis heute fahren die meisten Einwohner am liebsten mit dem eigenen Fahrzeug in den Urlaub. Doch die Elektrifizierung des Straßenverkehrs bringt hier neue Probleme mit sich. Denn während man in fast jedem Urlaubsland ausreichend Tankstellen für Autos mit Verbrennungsmotor findet, sieht dies bei Ladestationen für Elektroautos noch ganz anders aus. Diese Erfahrung machte in diesem Jahr der Österreicher Kurt Krautgartner. Er fuhr mit seinem E-Auto von Österreich nach Marokko und wieder zurück. Auf seiner dreiwöchigen Tour machte er unter anderem die folgenden Erfahrungen:


Noch ist der Ausbau an Ladestationen nicht in allen Regionen Europas ausreichend voran geschritten.

1. Die richtige Planung ist entscheidend

Einfach kurz nachtanken, wenn man sowieso gerade auf Toilette muss, ist mit dem Elektroauto nicht möglich. Stattdessen müssen die Routen im Vorfeld so geplant werden, dass sie zur richtigen Zeit an einer Ladestation vorbeiführen. Aber auch für deren Nutzung ist Vorbereitung erforderlich: Bei einigen Anbietern muss man sich zunächst registrieren und bekommt dann eine Chipkarte für die Nutzung zugeschickt.


2. Südeuropa hinkt beim Ausbau noch hinterher

Bereits bekannt ist, dass die Niederlande und Norwegen in Europa das beste Netz an Ladestationen besitzen. In Südeuropa besteht hingegen noch erheblicher Nachholbedarf. Krautgartner bekommt südlich von Barcelona und vor allem in Italien massive Probleme bei der Routenplanung. Ein Besuch in Venedig ist sogar vollkommen unmöglich.

3. Schnelladestationen werden benötigt

Ladestation ist zudem nicht Ladestation. Kaum ein Reisender wird wohl mehrere Stunden warten wollen, bis die Batterie seines Autos wieder vollständig geladen ist. Benötigt werden daher vermehrt Schnellladestationen an Fernstraßen. Im besten Fall kann die Fahrt dann bereits nach einer halben Stunde fortgesetzt werden. Der Zwischenstopp dauert damit immer noch deutlich länger als das klassische Nachtanken – kann aber noch einigermaßen sinnvoll überbrückt werden.

4. So günstig ist die Fahrt gar nicht

Die Nutzung von Schnellladestationen ist vergleichsweise teuer. Wer auf einer längeren Urlaubsreise immer die Expressaufladung nutzt, kommt unter Umständen nicht günstiger weg als der Nutzer eines sparsamen Dieselfahrzeugs. Für die Luftqualität und das Klima ist die Fahrt mit dem Elektroautos aber natürlich dennoch deutlich vorteilhafter.

Das Fazit

Die Bilanz von Krautgartner fällt letztlich durchaus positiv aus. Eine längere Urlaubstour mit dem Elektroauto ist nicht nur möglich, sondern kann sogar Spaß machen. Er hofft zudem, dass in den nächsten fünf Jahren die Infrastruktur so ausgebaut wird, dass die Hürden für eine solche Tour deutlich sinken.

Via: Badische Zeitung

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2 Kommentare

  1. Prov94

    6. Februar 2018 at 23:43

    Finde schade, das nicht beleuchtet wurde, wie er Probleme mit dem aufladen in Marokko gelöst hat.

  2. Andreas

    9. Februar 2018 at 08:30

    Viel lustiger ist das die Autoindustrie in Deutschland gerade merkt das viele Deutsche ein Elektroauto bestellen wollen.
    UUUpppps nun da haben wir garnicht mit gerechnet heißt es da. Soll ab 2025 kein Spritauto mehr zugelassen werden in Deutschland und die Autoindustrie Rechnet nicht mit vermehrten Bestellungen ?
    Aha…
    Mit nem Tesla hat man die Ladeprobleme nicht in der Regel findet man alle 200 Km eine Ladestation.
    Auch in Venedig.
    Mit einer Limousine ist das Tanken sogar Umsonst. Schnelladesäule ca 20 min für 80 % reicht mindestens bis zur nächsten.
    20 min Pause alle 2 Std passt eh gut in nen Reiseplan.
    Also Tesla kaufen und keine Ladeprobleme haben.
    Die Deutschen brauchen da wohl noch 10 Jahre bis sich dann warscheinlich 2-3 Ladesäulenanbieter durchgesetzt haben……

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