Aktuell leben etwa 7,6 Milliarden Menschen auf der Erde. Davon leben bereits etwa 815 Millionen in stetigem Hunger. Und die Vereinten Nationen erwarten für die Zukunft einen exponentiellen Bevölkerungszuwachs: 2050 soll die Erdbevölkerung 9,8 Milliarden Menschen umfassen, bis 2100 sollen es 11,2 Milliarden sein. Diese Zahlen drängen eine wichtige Frage auf: Wird es in Zukunft überhaupt möglich sein, die stetig wachsende Erdbevölkerung vernünftig zu ernähren?


Wir steuern auf ein echtes Nahrungsproblem zu

Aktuell produzieren wir auf der Erde mehr Nahrung als wir brauchen. Theoretisch wären wir also in der Lage, momentan jeden Menschen auf der Welt mit Nahrung zu versorgen. Eine komplett faire und ausgeglichene Verteilung der verfügbaren Nahrung würde jedem Menschen etwa 2800 Kalorien zukommen lassen – was im Normalfall genug ist. Dass es dennoch etwa 800 Millionen Menschen gibt, die Hunger leiden, ist demnach ein Verteilungsproblem. Dieses Problem wird sich mit wachsender Erdbevölkerung weiter verschärfen, wenn nicht entsprechende Maßnahmen getroffen werden.


Laut einer Analyse der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen wäre es auch 2050 noch theoretisch möglich, genug Nahrung für jeden Menschen zu produzieren. Im Jahr 2100 hätten wir beim aktuellen Stand bereits ein Problem. Hinzu kommt, dass langfristig nur eine nachhaltige Landwirtschaft geeignet ist, die Menschheit dauerhaft und nachhaltig zu ernähren. Um – die Verteilungsprobleme außen vor gelassen – auch in Zukunft genug Nahrung für jeden zu haben, müssen wir ein paar Dinge ändern.

Höhere Effizienz statt mehr Land

Theoretisch wäre es möglich, mehr Land für die Landwirtschaft zu erschließen. Die technologischen Möglichkeiten sind diesbezüglich noch nicht ausgereizt und werden sich in Zukunft auch noch weiterentwickeln. Ob es jedoch ratsam ist, die landwirtschaftliche Nutzfläche auszudehnen, scheint fraglich. Aktuell gehen die Methoden, die wir nutzen, um Flächen landwirtschaftlich zu erschließen, mit großen Schäden für die Umwelt wie etwa Erosion und Verschmutzungen einher. Stattdessen sollten wir darauf setzen, die Produktivität und Effizienz in der Landwirtschaft zu erhöhen, um das bereits verfügbare Land besser zu nutzen. Auch hier gibt es bereits zahlreiche technologische Möglichkeiten wie fortschrittliche Bewässerung, Überwachung von Pflanzen mittels Sensoren und umweltneutrale Düngemethoden. Vor allem in Entwicklungsländern ist hier aber noch viel Luft nach oben.

Weniger Fleisch: Die globalen Ernährungsgewohnheiten müssen überdacht werden

Kaum ein Nahrungsmittel benötigt mehr Land und Wasser als Fleisch. Besonders reiche westliche Länder belasten die globale Landwirtschaft diesbezüglich sehr. Würde die ganze Welt die Ernährungsgewohnheiten der USA übernehmen, bräuchten wir bereits heute 138 Prozent der bewohnbaren Fläche unseres Planeten, um die Nachfrage zu befriedigen. Mit anderen Worten: Es wäre schlicht unmöglich. Fleisch ist vor allem auch deshalb so ressourcenintensiv, weil die Tiere in der Aufzucht natürlich ernährt werden müssen. Für 100 Kalorien, die wir in Form von Futtermitteln an Zuchttiere verfüttern, erhalten wir 40 Kalorien Milch, 12 Kalorien Hühnerfleisch oder nur 3 Kalorien Rindfleisch. Hier müssen vor allem weit entwickelte Länder handeln. Das bedeutet nicht, dass wir alle Vegetarier werden müssen, aber ein bewussterer Fleischkonsum wird in Zukunft nur schwer zu umgehen sein.

Schluss mit der Nahrungsmittelverschwendung

Ein weiteres Thema ist die Verschwendung von Nahrungsmitteln. Aktuell wird etwa ein Viertel der verfügbaren Nahrung wieder weggeworfen. Die verlorene Menge würde ausreichen, um jeden hungrigen Menschen auf der Welt mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Die Nahrungsmittelverschwendung lässt sich vor allem in den Wurzeln bekämpfen. Die Verminderung von Armut, besserer Zugang zu Bildung sowie verstärkte Gleichberechtigung reduziert die Menge der weggeworfenen Nahrung, indem mehr finanzielle Mittel für die Entlohnung von Farmern zur Verfügung stehen und die Problematik in den Fokus gerückt wird. Wenn Farmer in Entwicklungs- und Schwellenländern es sich leisten können, ihre Produkte lokal zu verkaufen, statt sie zu exportieren, wird auch das Verteilungsproblem kleiner.

Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass es nicht ewig weitergehen kann wie bisher. Statt uns darauf zu verlassen, dass der technologische Fortschritt in Zukunft unser Nahrungsproblem lösen wird, sollten wir jetzt Maßnahmen ergreifen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.

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3 Kommentare

  1. David Kummer BGE

    22. Mai 2018 at 17:56

    Am einfachen wäre es natürlich, einfach weniger Menschen zu haben.
    Aber das ist ja keine Option!!!

  2. eisvogel

    22. Mai 2018 at 22:01

    Das Problem der Überbevölkerung ist die starke Vermehrung in den Entwicklungsländern. Gerade die ärmste Bevölkerung, jene, die von vornherein keine Möglichkeit zur Selbstversorgung haben und zu wenig Geld, ihre große Anzahl von Kindern zu ernähren, vermehren sich am Stärksten. Ich verstehe diese Menschen einfach nicht, ich meine, wenn ich weiß, ich habe zu wenig Geld um so viele Kinder zu ernähren, dann ist nach dem 2. Kind Schluß! Aber so wird Nachwuchs ohne Ende produziert, viele Kinder müssen verhungern und jene, die erwachsen werden, sind ohne Arbeit und Geld und machen sich dann auf den Weg nach Europa. Wenn jedes Paar max. 2 Kinder hat, dann wäre alles im Lot. Aber so vermehren sich gewisse Bevölkerungen mehr als Andere. Ich persönlich empfinde das als verantwortungslos und rücksichtslos, schon alleine den eigenen unterernährten Kindern gegenüber.

  3. eisvogel

    22. Mai 2018 at 22:41

    Wenn ich folgendes hier oben im Beitrag lese, muß ich mich doch wundern:
    „Stattdessen sollten wir darauf setzen, die Produktivität und Effizienz in der Landwirtschaft zu erhöhen, um das bereits verfügbare Land besser zu nutzen.“
    Erstens mal, wer ist denn mit „wir“ gemeint?
    Jeder der das liest oder die Bauern, derer ich auch einer bin?
    Zweitens, jeder Bauer muß ohnehin die Produktivität durch den Einsatz von Handelsdünger, Unkraut-, Pilz- & Schädlingsbekämpfungsmitteln steigern um ein Maximum an eben dieser Produktivität zu erzielen. Und gleichzeitig wird der Bauer dafür als Umweltsünder verteufelt. Also was jetzt?

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