Twitter ist ein soziales Netzwerk, das für viele deutlich weniger zugänglich erscheint als Facebook. Facebook ist bunt und schrill, während Twitter die Posts auf die Länge einer SMS beschränkt (ja, es gab Zeiten, da musste man bei SMS noch auf Zeichenbeschränkungen achten und ein Handy, das längere SMS in mehrere aufteilte eine Innovation war). Doch Twitter kann mehr. Das hat der Dienst in Krisenzeiten und -regionen (man denke nur an den Arabischen Frühling) bewiesen. Ein weiteres Beispiel dafür,was mit Twitter alles möglich ist, ist die spanische Stadt Jun. Twitter ist dort der Hauptkommunikationskanal zwischen der Stadtverwaltung und der Bevölkerung und wird auch für zahlreiche andere Anlässe genutzt.


Jun Twitter Virtual Government

Jun kommuniziert via Twitter

3500 Menschen leben in Jun. Seit September 2011 wird Twitter dort für nahezu alles genutzt. Egal, ob es darum geht, lokale Nachrichten und Entwicklungen zu verbreiten, oder um Job-Angebote oder das Menü für die Mensa der lokalen Schule, Twitter ist das Mittel der Wahl. Das soziale Netzwerk dient nicht nur zur Verbreitung verschiedenster Informationen, sondern die Bewohner können via Twitter auch Arzttermine machen, die Polizei über ein Verbrechen informieren, sich über lokal angebotene Services beschweren und sich generell in die Gemeinschaft einbringen.


Es geht aber nicht nur um einfache Kommunikation. Der Bürgermeister der Stadt, Rodriguez Salas, ist mit seinem eigenen Twitter-Account regelmäßig aktiv darum bemüht, auf die Bedürfnisse der Bürger einzugehen. Hinzu kommt, dass jeder Dienst in öffentlicher Hand einen eigenen Twitter-Account hat, der nicht wie in anderen Fällen als kleines Nebenprojekt dient, sondern für die Bürger die primäre Möglichkeit ist, mit den jeweiligen Diensten in Kontakt zu treten. Sogar die Polizei von Jun hat ihren eigenen Twitter-Account, obwohl es nur einen Polizisten gibt. Auf dem Polizeiauto ist der Twitter-Account abgedruckt, und egal, wo man in Jun hinsieht, erblickt man das kleine Twitter-Vögelchen.

Ein Experiment im kleinen Rahmen

In dem Maße, wie das Städtchen Jun Twitter in das öffentliche Leben in der Stadt integriert hat, ist das in keiner anderen Gemeinde der Fall. Und es scheint zu funktionieren. So kann bspw. ein Bürger eine kaputte Straßenlampe inklusive Bild an die Gemeinde melden. Die Stadt repariert die Lampe dann in Rekordzeit. Jun lässt auch die älteren Bürger nicht außen vor und hat ein Programm für die über 60-jährigen, um sie in Sachen Twitter und Internet fit zu machen.

Laut dem Bürgermeister von Jun bringt Twitter die Bürger und die Stadt näher zusammen und verbessert die Anerkennung für die Arbeit der städtischen Angestellten. Auch das Bild der Bürger von der Polizei (oder dem Polizisten) der Stadt hat sich verbessert. Die Reaktion auf Meldungen via Twitter, sei es seitens der Polizei oder anderen städtischen Stellen, sei möglichst kurz gehalten.

Das Beispiel von Jun hat Forscher des MIT motiviert, sich mit der Methode der Stadt für “Virtual Governance” auseinanderzusetzen, um herauszufinden, ob das Modell sich auch auf größere Städte anwenden lässt. Und genau hier liegt auch der springende Punkt begraben. Jun ist mit seinen 3500 Einwohnern eher ein Dorf als eine Stadt. Ob ein derartiges Modell sich auch auf Städte wie München, Hamburg, Berlin oder gar New York anwenden ließe, darf zumindest angezweifelt werden.

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