Die EU beendet den Abgasschwindel. Ab 2017 wird im realen Verkehr gemessen, Heidelberger Physiker präsentieren bereits heute ein entsprechendes Messgerät. Die Schummelei mit Abgaswerten vor allem bei Dieselfahrzeugen soll ein Ende haben. Ab 2017 werden die Daten nicht mehr auf einem Teststand ermittelt. Die Europäische Union hat beschlossen, dass die Abgaswerte bei Fahrten im realen Straßenverkehr erfasst werden müssen. Jedes Auto muss dazu aufwändig umgerüstet werden. Die Abgase müssen während der Fahrt eingefangen und gleich analysiert und quantifiziert werden.


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Messkammer mit blauem Laser

Doch es geht auch einfacher. Heidelberger Physiker haben ein Messsystem entwickelt, mit dem nicht das zu prüfende Fahrzeug ausgestattet werden muss. Es befindet sich in einem blauen Kastenwagen des Herstellers Volkswagen. Durch einen Trichter werden die Abgase des vorausfahrenden Autos erfasst und in eine Messkammer geleitet. Darin befinden sich ein blau strahlender Diodenlaser und Spiegel, zwischen denen der Lichtstrahl hin und her rast. Insgesamt legt er bei einer Messung rund 1,5 Kilometer zurück, ohne die Kammer zu verlassen. Schließlich landet es in einem Spektographen, der analysiert, was von dem Laserstrahl übrig geblieben ist. Jedes Atom und jedes Molekül absorbiert einen Teil des Lichtspektrums. Übrig bleibt eine Gruppe von dunklen Linien, die typisch sind für bestimmte Stoffe. So lassen sich Stickstoffdioxid und Kohlenstoffdioxid nachweisen.


Beim Messen darf kein fremdes Auto in der Nähe sein

Jetzt galt es, die nachgewiesenen Schadstoffe zu quantifizieren. Beim Kohlenstoffdioxid ist das einfach. Dessen Menge ändert sich exakt mit dem Spritverbrauch, „und der ist zumindest im Durchschnitt bekannt“, sagt Denis Pöhler, Umweltphysiker an der Universität Heidelberg, der das Entwicklerteam leitet. Da sich beide Schadstoffe in etwa parallel verändern, können die Wissenschaftler auf die Stickoxidmenge schließen.

Messprinzip zur Charakterisierung der Fahrzeug-NO2-Emission, bei dem das „NO2 ICAD“-Gerät zum Einsatz kommt. Dabei wird die NO2-Konzentration in der Abgasfahne während der realen Fahrt direkt gemessen. (Bild: Uni Heidelberg)
Messprinzip zur Charakterisierung der Fahrzeug-NO2-Emission, bei dem das „NO2 ICAD“-Gerät zum Einsatz kommt. Dabei wird die NO2-Konzentration in der Abgasfahne während der realen Fahrt direkt gemessen. (Bild: Uni Heidelberg)

Damit das Ergebnis nicht verfälscht wird, vermessen die Heidelberger Physiker nur Fahrzeuge, die allein unterwegs sind, um zu verhindern, dass die Abgase eines Vorausfahrenden Autos mit einfließen. Zum Zeitpunkt der Messung darf auch kein Fahrzeug entgegenkommen.

Nur 7,6 Prozent aller Autos emittieren zu viel

Mehr als 1000 Fahrzeuge hat sein Team bereits vermessen, ohne dass deren Fahrer etwas gemerkt hätten. Das Ergebnis ist höchst interessant. Nur 7,6 Prozent aller Fahrzeuge überschritten einen kritischen Stickoxidwert, vor allem ältere Fahrzeuge. Die machen nach Berechnungen der Physiker 45 Prozent aller Emissionen aus. Durch technische Nachbesserungen an wenigen Fahrzeugen könnten die Emissionen also deutlich reduziert werden, so der Physiker. Stickoxide sind in fast allen Großstädten ein Problem, weil die zulässigen Grenzwerte oft überschritten werden. Außerdem verschärfen sie auch das Problem mit Feinstaub.

„Feinstaub entsteht nicht nur durch Verkehr, Industrie oder Verbrennung von Holz. Ein Teil bildet sich erst in der Luft durch die Reaktion von Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden mit sogenannten Radikalen, sehr reaktiven und kurzlebigen Molekülen“, sagt Professor Astrid Kiendler-Scharr vom Institut für Energie- und Klimaforschung. Details müssen noch erforscht werden.

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