Erstmals seit mehr als 200 Jahren wurde ein neues Märchen der Gebrüder Grimm veröffentlicht. Mit dieser Schlagzeile wirbt aktuell die Meditations- und Schlaf-App Calm. Tatsächlich wurde aber kein neues Werk im Nachlass der berühmten deutschen Märchenerzähler gefunden. Vielmehr wurde ein Text-Algorithmus entwickelt, der den Stil der Grimms perfekt imitieren soll. Herausgekommen ist ein Märchen namens die „Die Prinzessin und der Fuchs“, das natürlich mit den bekannten Worten „Es war einmal“ beginnt. Auch die handelnden Figuren kommen einem durchaus bekannt vor: Es geht um einen König, eine Prinzessin, einen sprechenden Fuchs und einen armen Müllerssohn. Insgesamt umfasst die Geschichte 1.500 Wörter, die so oder so ähnlich auch von den Brüdern Grimm selbst verfasst worden sein könnten.


Bild: Calm

Das Prognosetool imitierte den Stil der Märchenautoren

Um dieses Ergebnis zu erreichen wurde der Algorithmus zunächst mit den Originaltexten der Märchenerzähler gefüttert. Daraus entwickelten die beteiligten Mitarbeiter dann ein Prognosetool, das typische Grimmsätze erstellen konnte. Das dahinter stehende Prinzip dürfte den meisten bekannt sein: Die Technologie kommt etwa auch bei der automatischen Textergänzung von Smartphones zum Einsatz. Aus den zahlreichen Grimm-Sätzen bildeten menschliche Autoren dann zunächst eine Storyline und ergänzten diese schließlich durch eigene Sätze, um einen flüssig zu lesenden Text zu erhalten. Letztlich handelt es sich bei „Die Prinzessin und der Fuchs“ also um eine Gemeinschaftsproduktion von künstlicher Intelligenz und menschlichen Autoren. Stilistisch und inhaltlich wiederum haben auch die Gebrüder Grimm – natürlich unbewusst – großen Einfluss genommen.

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Zuletzt aktualisiert am 16.10.2018

Auch ein neuer Harry Potter Roman könnte so verfasst werden

Theoretisch lässt sich dieser Ansatz auch auf andere Autoren übertragen. Die einzige Voraussetzung ist, dass ein ausreichend großes Originalwerk vorliegt, um damit die künstliche Intelligenz füttern zu können. Die Autorengruppe Botnik, die nun auch das neue Grimm-Märchen veredelt hat, ist in diesem Bereich besonders aktiv. So wurde zuletzt auch ein neues Kapitel des fiktiven Romans „Harry Potter and The Portrait of What Looked Like A Large Pile of Ash“ mithilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und veröffentlicht. Aber auch Shakespeare würde sich anbieten, um eine neue Geschichte im altbekannten Stil zu veröffentlichen. Bis die künstliche Intelligenz aber in der Lage sein wird, komplette und flüssig zu lesende Werke vollkommen alleine zu produzieren, dürfte aber noch etwas Zeit vergehen.

Via: Calm


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